Afleveringen

  • Die USA haben Europa den Zugang zu Claude Mythos, dem leistungsstärksten Modell von Anthropic, gesperrt. Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Paul Görlich vom Dezernat Zukunft darüber, ob ein vollständiger KI-Abschnitt Europas realistisch ist und was das Szenario "Europe 2031", ein vielbeachtetes Zukunftsbild einer Gruppe von KI-Experten, richtig und falsch einschätzt.

    Das Wichtigste:

    Die US-Hyperscaler planen bis 2031 ungefähr 5,2 Billionen Dollar Investitionsausgaben in KI-Infrastruktur. Allein 2026 werden rund 700 Milliarden Dollar ausgegeben, ungefähr dreimal so viel wie das gesamte Apollo-Programm. Wer Europa ausschließt, kann diesen Ausbau nicht refinanzieren. Ein vollständiger Abschnitt Europas wäre für die US-Labs ein doppeltes Eigentor: Er würde den Markt kampflos an chinesische Open-Source-Modelle übergeben, die bereits heute nur ungefähr vier bis sechs Monate hinter den amerikanischen Frontier-Modellen liegen. Europa hat kein eigenes Frontier-Modell und keinen Chip-Hersteller auf NVIDIA-Niveau. Dafür hält es einen entscheidenden Hebel weiter oben in der Wertschöpfungskette: ASML und sein Exzellenzcluster aus deutschen Zulieferern wie Trumpf und Zeiss produzieren die einzigen Maschinen der Welt, mit denen Chips der neuesten Generation hergestellt werden können. Die EU plant 20 Milliarden Euro für große Datenzentren, die europäische Grundlagenmodelle trainieren sollen. Das Geld wäre besser in Infrastruktur investiert, die KI-Modelle laufen lässt statt sie zu trainieren, und in die Breitenadoption von KI im Mittelstand.

    Zum Nachlesen/Anschauen:

    Programm der EMPN Conference (Link zum Stream auf LinkedIn, auf X vormittags (9:30–13:30 CEST) und auf X nachmittags (14:00–18:00 CEST))

    Europe 2031 Projekt

    KI-Modellpreise

    Adoption Index und Ausgaben für die USA

    China & KI im High Capacity Podcast

  • Ein Drittel der Stromkosten entsteht im Verteilnetz. Und das steht unter Druck: Solarstrom fließt dezentral ein, E-Autos laden, Wärmepumpen ersetzen Gas. Die rund 900 deutschen Energieversorgungsunternehmen müssen bis 2045 rund 647 Milliarden Euro in Strom- und Wärmenetze investieren. Doch vielen kommunalen Stadtwerken fehlt dafür das Eigenkapital. Die Lücke, die sich nicht aus eigener Kraft schließen lässt, beträgt 13 Milliarden Euro bis 2035.

    Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Mediha Inan vom Dezernat Zukunft und Johanna Bronisch von Neon Neue Energieökonomik. Sie erklären, warum die Lösung in einer Art Zahlenmagie liegt: Hybridkapital, das beim Stadtwerk wie Eigenkapital wirkt, kommunale Haushalte aber wie ein Kredit belastet. Hannover zeigt, wie das in der Praxis geht. Die Stadt hat der enercity AG 700 Millionen Euro als Konzernkredit bereitgestellt und damit Investitionen von 3,5 Milliarden Euro ermöglicht. Was fehlt, ist ein bundesweiter Rahmen aus Kommunalkrediten, Landesbürgschaften und einer Bundesrückbürgschaft über den Deutschlandfonds.

    Das Wichtigste:

    Rund 900 EVU brauchen bis 2045 rund 647 Mrd. Euro für den Netzausbau. 13 Mrd. Euro Eigenkapital lassen sich nicht aus eigener Kraft aufbringen, vor allem bei kommunalen Stadtwerken. Das Verteilnetz hat über 800 Betreiber. Die Struktur ist historisch gewachsen, kaum koordiniert und digitalisiert. Hybridkapital ist der Ausweg: Nachrangige Konzernkredite stärken die Kreditwürdigkeit der Stadtwerke, ohne kommunale Haushalte direkt zu belasten. Gebraucht wird ein „Deutschland-Standard": Kommunen als Kreditgeber, Länder als Bürgen, der Bund als Rückversicherer über den Deutschlandfonds.

    Zum Nachlesen/Nachhören:

    Die gemeinsame Studie von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft „Eigenkapitalfür die Energiewende“

    Das Webinar von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft. Es wird die Studie vorgestellt und mit Expert:innen aus der Praxis darüber diskutiert.

    Das Projekt Grids & Benefits zeigt, dass dynamische Netzentgelte ein wirksames Instrument sind.

    Hier wird die Situation der bayerischen Bauern erklärt.

    Die Geschichte der Stromnetze

  • Zijn er afleveringen die ontbreken?

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  • Heute hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die Eckwerte des Bundeshaushalts 2027 vorgestellt. Die Ausgaben sind 36 Milliarden Euro höher als zuletzt geplant, und trotzdem soll irgendwie gespart werden. Wie passt das zusammen?

    Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson analysieren, was die Zahlen bedeuten, wo getrickst wird und welche Risiken bleiben.

    Das Wichtigste:

    Trotz einer Haushaltslücke von 36 Milliarden Euro steigen die geplanten Ausgaben auf rund 540 Milliarden. Ein Teil der Lücke wird durch pauschale Einsparungen von einem Prozent pro Ministerium und technische Kniffe bei der Schuldenbremse gestopft.Im Haushalt gibt es gerade zwei Welten: eine, in der plötzlich alles finanziert wird: Verteidigung bekommt weitere Milliarden, in das das THW wird investiert, Stromsubventionen steigen; und eine andere, in der das Geld so knapp ist, dass der Bund die Kosten für Weiterbildung kurzerhand in den Haushalt der Bundesagentur für Arbeit verschiebt.Die Finanzplanung setzt stark auf Optimismus: 3 Milliarden Euro an Effizienzgewinnen im Digitalministerium und globale Mehreinnahmen sind bisher vage Versprechen ohne konkrete Maßnahmen.Langfristig drohen größere Lücken. Es braucht eine bessere Priorisierung statt Rasenmäher-Kürzungen.

    Zum Nachlesen:

    Die Eckwerte zum Bundeshaushalt 2027

    Der Military Procurement Tracker des Kiel Instituts

    Der Bericht der Bundesagentur für Arbeit zu Herausforderungen für junge Menschen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

  • Mehr Roboter, weniger Menschen und Automatisierung in Rekordzeit: Ein Blick nach China zeigt, wie sich die industrielle Produktion gerade verändert.

    Gemeinsam mit Tech-Investor Andreas Fischer spricht Philippa Sigl-Glöckner über dessen Reise durch chinesische Fabriken und die Frage, was die dortigen Entwicklungen für den Technologiestandort Deutschland bedeuten.

    Das Wichtigste:

    In chinesischen Fabriken wird die Automatisierung massiv vorangetrieben. Mittelfristig könnte 30 bis 50 Prozent der Fertigungsarbeit durch Roboter ersetzt werden. Dabei setzt China vor allem auf Cobots, also kollaborative Roboter. Diese können direkt mit Menschen zusammenarbeiten und rentieren sich häufig schon nach wenigen Monaten.Die rasante Entwicklung stellt nicht nur China vor gesellschaftliche Herausforderungen. Eine entscheidende Frage: Nehmen die Roboter uns Arbeit ab oder weg?Für Deutschland gilt: Um im Wettbewerb mitzuhalten, müssen technologische Innovationen schneller skaliert und besser kommerzialisiert werden.

    Zum Nachlesen:

    John Maynard Keynes: Economic Possibilities for our Grandchildren

    Die Studie von Frey und Osborne: The Future of Employment

    Leseempfehlung von Andreas Fischer: Works in Progress

    America’s Seed Fund

    Studie über den Einsatz von Cobots

  • Die USA und Iran haben sich auf eine zweiwöchige Feuerpause geeinigt. Was ist davon zu halten und wie entwickeln sich jetzt die Preise? Philippa Sigl-Glöckner und Janek Steitz analysieren, wie stabil die Lage ist, warum die Märkte optimistisch sind und welche Risiken für Europa bestehen.

    Das Wichtigste:

    Der Waffenstillstand ist fragil: Beide Seiten halten an ihren Maximalpositionen fest. Ein Ende des Konflikts ist nicht absehbar.Auch wenn die Energiepreise jetzt fallen – das Preisniveau bleibt hoch und könnte die Inflation weiter antreiben.Selbst im besten Fall droht zusätzliche Inflation, die Wachstum und Wohlstand gefährden kann.Europa ist verwundbar: Wir sind abhängig von Öl- und Gasimporten und spüren höhere Energiepreise sofort.Aber: Durch konsequente Elektrifizierung, den Ausbau der Erneuerbaren und mehr Speicherkapazitäten kann man sich von fossilen Energien unabhängig machen und Inflation mittelfristig abfedern.

    Zum Nachlesen:

    Geldbrief des Dezernat Zukunft zum Irankrieg von Anfang März

    Geldbrief des Dezernat Zukunft über Preisbildung

  • Jedes Jahr gibt der Staat rund 30 Milliarden Euro für Wohnen aus und trotzdem wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Wie passt das zusammen?

    Darüber spricht Philippa Sigl-Glöckner mit Sara Schulte. Gemeinsam klären sie, wie die deutsche Wohnungspolitik heute funktioniert, warum ein Großteil der Mittel gar nicht in neuen Wohnraum fließt und wie politische Entscheidungen der 2000er Jahre die aktuelle Lage geprägt haben.

    Das Wichtigste:

    Rund 80 Prozent der staatlichen Ausgaben fließen in die Subjektförderung – also in Wohngeld und die Übernahme von Mieten. Nur 20 Prozent bleiben für die Objektförderung, welche Bau, Erwerb und Modernisierung von Wohnraum unterstützt.Bis Anfang der 2000er Jahre war das Verhältnis von Subjekt- und Objektförderung noch umgekehrt. Seitdem wurde der soziale Wohnungsbau stark zurückgefahren, während die Hartz-Reformen mit den Kosten der Unterkunft ein neues Instrument der Subjektförderung schufen.Wenn der Staat Wohnkosten übernimmt, treibt das die Mieten weiter nach oben – besonders in ohnehin angespannten Wohnungsmärkten. So fördert man sich in eine wohnpolitische Zwickmühle.Eine Reduktion der Subjektförderung ist nicht ohne Weiteres möglich. Echte Entlastung lässt sich nur langfristig erreichen: Es braucht höhere Investitionen in den Wohnungsbau, auch wenn das kurzfristig zusätzliche Mittel erfordert.

    Zum Nachlesen:

    Hier der erwähnte Artikel der Zeit über die Studie

    Studie des Dezernat Zukunft „Eine kurze Fiskalgeschichte der deutschen Wohnungspolitik“

    Der Bundeshaushaltsmonitor des Dezernat Zukunft

  • Lars Klingbeil hat bei der Bertelsmann Stiftung eine vielbeachtete Rede gehalten, über Reformen, den schwächelnden Arbeitsmarkt und den Bundeshaushalt. Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson rechnen die Reformvorschläge einmal durch.

    Beim Arbeitsmarkt macht Klingbeil konkrete Vorschläge:Ehegattensplitting abschaffen, Transferentzugsraten reformieren, mehr Anreize für Erwerbstätigkeit. Aber ab 2028 fehlen jährlich 60 bis 70 Milliarden Euro, und von den 76 Milliarden, über die der Bund noch frei verfügen kann, geht schon die Hälfte für Unternehmenssubventionen drauf. Was bleibt für Bildung, Kitas, Infrastruktur?

    Ob Mehrwertsteuer, Schuldenbremse oder neues Wirtschaftsmodell: Diese Folge zeigt, warum kurzfristige Lösungen das Problem oft vergrößern und was wirklich helfen würde.

    Das Wichtigste:

    Klingbeils Rede enthält echte Arbeitsmarktansätze –Ehegattensplitting abschaffen, Transferentzugsraten reformieren –, aber die Frage, in welche Jobs die Menschen gehen sollen, bleibt offen.Ab 2028 fehlen jährlich 60–70 Milliarden Euro im Bundeshaushalt – eine historisch einmalige Lücke, die sich weder durch Rasenmäherkürzen noch durch eine Mehrwertsteuererhöhung nachhaltig schließenlässt.Von den 76 Milliarden Euro disponiblem Spielraum fließt bereits über die Hälfte in Unternehmenssubventionen, vor allem Strompreishilfen – für Bildung, Kitas und Integrationskurse bleibt kaum Raum.Echter Haushaltsausgleich braucht mindestens fünf bis zehn Jahre: Subventionen strukturell abbauen, gleichzeitig in Menschen investieren, auch wenn das kurzfristig erst Geld kostet.Österreich zeigt, wie eine Reform der Schuldenbremse hin zu einem mittelfristigen Finanzpfad nach EU-Vorbild funktionieren kann – und Deutschland könnte davon lernen.

    Zum Nachlesen/Nachhören:

    Der erwähnte Geldbrief des Dezernat Zukunft zur Mehrwertsteuer „Droht jetzt die Mehrwertsteuererhöhung?“

    Die Rede von Lars Klingbeil bei der Bertelsmann Stiftung

    Der Bundeshaushaltsmonitor ist ab 31.03. auf https://dezernatzukunft.org zu finden.

  • Droht der Welt die nächste Energiekrise? Nach dem US-Angriff auf den Iran ist die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl und Flüssiggas – faktisch geschlossen. Tanker fahren kaum noch durch die Meerenge, weil Versicherer den Schutz für Schiffe ausgesetzt haben. Gleichzeitig hat der Iran eine zentrale LNG-Anlage in Katar getroffen.

    Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Janek Steitz darüber, was diese Eskalation für die globalen Energiemärkte bedeutet – und wann auch in Deutschland die Preise steigen.

    Das Wichtigste:

    Da die globalen LNG-Märkte kaum Überkapazitäten haben, ist der Gaspreis deutlich empfindlicher: Er stieg in der letzten Woche um etwa 50 Prozent, während der Ölpreis um etwa 20 Prozent zulegte.Besonders betroffen ist Asien, das den Großteil des LNG aus der Golfregion importiert. Jetzt entsteht ein globales Wettbieten um alternative Gaslieferungen.Deutschlands Gasspeicher sind aktuell nur zu 20 Prozent gefüllt. Dass das Gas kurzfristig knapp wird, ist dennoch unwahrscheinlich – nicht zuletzt aufgrund des milden Wetters.Infolge der Energiekrise könnte vieles teurer werden: Je nach Dauer des Krieges droht dem Euro-Raum ein Inflationsschock von bis zu 2 Prozentpunkten.

    Zum Nachlesen:

    Studie des Dezernat Zukunft „Europe’s Trump Cards“

    Geldbrief des Dezernat Zukunft „US-Iran-Krieg– Inflationsschock in der EU von 2 Prozentpunkten möglich“

    Faktenblatt zur Straße von Hormus der IEA

    Guardian-Artikel über die Schiffsversicherer

    Artikel von History Today „The First Tanker War with Iran”

    Übersicht Gasspeicher

    Die in der Folge erwähnte Schriftliche Anfrage an die Bundesregierung

  • In der 30. Folge von „Die Geldfrage“ diskutiert Philippa Sigl-Glöckner mit ihren Kollegen Janek Steitz und Dr. Maximilian Paleschke über die Machtposition Europas. Während die USA unter Trump 2.0 oft als übermächtig wahrgenommen werden, zeigt unsere Analyse: Europa hat handfeste Hebel – von der Energieversorgung bis hin zu kritischen Industriekomponenten.

    Das Wichtigste:

    Kein zweites Russland-Szenario: Die Abhängigkeit von US-Flüssiggas (LNG) ist nicht mit der früheren Abhängigkeit von russischem Pipeline-Gas vergleichbar. Der globale Markt wird liquider und flexibler, was Europa ermöglicht, im Notfall leichter auf Alternativen auszuweichen.Industrielle Abhängigkeiten: Europa hält technologische Schlüsselpositionen. Ein Beispiel sind Gasturbinen von Siemens Energy, die für den Ausbau amerikanischer KI-Rechenzentren unverzichtbar sind. Exportbeschränkungen könnten dort massiven wirtschaftlichen Schaden anrichten, der die Kosten für Europa bei weitem übersteigt.Die Macht der Märkte: US-Tech-Giganten hängen stark von den Gewinnen ab, die sie in Europa machen. Da diese Unternehmen einen massiven Anteil an den Rentensparplänen (401k) der US-Bevölkerung ausmachen, würde eine restriktive europäische Position direkt die Altersvorsorge amerikanischer Wähler:innen treffen.Strategische Vorbereitung: Um diese Trümpfe gegen Trump auszuspielen, muss Europa das „Anti-Coercion Instrument“ (ACI) schärfen. Die Mitgliedstaaten müssen jetzt klären, wie sie entstehende Lasten teilen, damit nationales Klein-Klein die europäische Handlungsfähigkeit im Ernstfall nicht blockiert.

    Zum Nachlesen:

    Studie des Dezernat Zukunft: Europe’s Trump Cards

    Geldbrief: Europas Trümpfe gegen Trump

  • Fast jeder dritte Euro im Bundeshaushalt könnte bald in die Verteidigung fließen. Wer zahlt das und was bedeutet das für Schulden, Steuern und Sozialausgaben? Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Prof. Dr. Christoph Trebesch vom IfW Kiel darüber, wie Aufrüstung und Kriege seit 1870 finanziert wurden.

    Das Wichtigste:

    Historisch werden Aufrüstungsphasen selten durch Kürzungen bei Sozialausgaben finanziert – sondern kurzfristig über Schulden.Mittel- und langfristig führt dies zu erheblichen Steuererhöhungen, wobei vor allem Einkommen- und Konsumsteuern steigen – gezielte „Reichensteuern“ spielen nur eine kleine Rolle.Anders als im Krieg hat Aufrüstung in Friedenszeiten nur einen geringen Effekt auf Konsum und Inflation.Entscheidend für die Tragfähigkeit hoher Verteidigungsausgaben bleibt langfristig das Wirtschaftswachstum – und damit Investitionen in Bildung, Forschung und Innovation.

    Zum Nachlesen:

    Studie von Johannes Marzian & Prof. Dr. Christoph Trebesch „Guns and Butter: The Fiscal Consequences of Rearmament and War”

  • Die Vorschläge zur Sozialstaatsreform liegen auf dem Tisch. Sie können bis zu 5 Milliarden Euro Spielraum im Haushalt bringen. Philippa Sigl-Glöckner und Saskia Gottschalk schauen genau hin: Wo könnte der Vorschlag Arbeitsanreize setzen, wo entstehen Probleme und wie steht der öffentliche Haushalt unterm Strich da?

    Das Wichtigste:

    Die Sozialstaatskommission schlägt vor, mehrere Leistungen zu einer einheitlichen Grundsicherung zusammenzuführen und die Anrechnungsregeln zu vereinfachen, sodass sich Mehrarbeit bei höheren Einkommen spürbar lohnt.Das aktuelle Zusammenspiel aus Bürgergeld, Wohngeld und Kinderzuschlag führt zu Fehlanreizen, bei denen Menschen trotz höherem Einkommen am Ende weniger Geld haben können, was die Reform gezielt beenden soll.Die Reform könnte 100.000 bis 150.000 zusätzliche Vollzeitäquivalente schaffen und jährliche Mehreinnahmen von rund vier bis fünf Milliarden Euro bringen.Studien zeigen, dass Investitionen in Qualifizierung, Kinderbetreuung und individuelle Unterstützung entscheidend sind, um mehr Menschen dauerhaft in Arbeit zu bringen.

    Zum Nachlesen:

    Studie des Dezernat Zukunft zu den Vorschlägen der Sozialstaatskommission „5 Milliarden Spielraum im Sozialstaat gewinnen“

  • Deutschland steckt wirtschaftlich fest, geprägt durch eine schwache Investition und eine rückläufige Industrieproduktion. Kann Deutschland der industrielle Turnaround gelingen? In dieser Folge sprechen PhilippaSigl-Glöckner und Dr. Maximilian Paleschke über die aktuellen BIP-Zahlen und drei internationale Fallstudien: den südkoreanischen Schiffbau, die schwedische Stahlindustrie und die US-Autoindustrie. Sie zeigen, unter welchen Bedingungen industrielle Comebacks gelingen können und warum sie selten sind.

    Das Wichtigste:

    Das leichte BIP-Wachstum von 0,2 Prozent wird vom Konsum getragen, während Investitionen und insbesondere Maschineninvestitionen weiter zurückgehen.Historische Beispiele zeigen, dass vollständige industrielle Comebacks aus bestehenden Industrien extrem selten sind und meist nur unter sehr spezifischen Bedingungen gelingen.Erfolgreiche Turnarounds beruhen auf technologischem Vorsprung und hoher Produktivität.In allen untersuchten Fällen spielte der Staat eine zentrale Rolle, allerdings mit sehr unterschiedlichen Instrumenten von strategischer Koordination bis hin zu harter Konsolidierung.

    Zum Nachlesen/-schauen:

    Studie des Dezernat Zukunft: "Comeback Deutschland? Industrie-Turnarounds und was wir von ihnen lernen können"

    Lars Klingbeil bei der DIW 100 Lecture: Rede und Video

    Pressekonferenz Statistisches Bundesamt, Januar 2026

  • Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson ziehen Bilanz. Entlang von sechs Statistiken schauen die beiden auf ein turbulentes Jahr zurück. Drei Zahlen zeigen, wie ernst die Lage für Industrie, Staatshaushalt und Bildung ist. Drei weitere machen deutlich, dass politisches Handeln wirken kann.

    Die Geldfrage entsteht mit viel Zeit, Recherche und Sorgfalt, um komplexe Finanzthemen für euch verständlich und Geldflüsse sichtbar zu machen. Wenn ihr diese Arbeit und den Podcast unterstützen möchtet, freuen wir uns sehr über eine Spende an das Dezernat Zukunft.

    Das Wichtigste:

    Der Verlust von rund 100.000 Industriearbeitsplätzen zeigt, dass das deutsche Export- und Wachstumsmodell strukturell an seine Grenzen gestoßen ist und nicht einfach zurückkehren wird.Der Gestaltungsspielraum im Bundeshaushalt geht verloren, weil spätestens in den 2030er Jahren nahezu alle Mittel durch gesetzliche Verpflichtungen gebunden sind.Wenn ein Drittel der Neuntklässler den Mindeststandard in Mathematik verfehlt, wird Bildung um Engpass für Innovation, Produktivität und künftigen Wohlstand.Das Infrastruktur-Sondervermögen markiert einen fiskalpolitischen Wendepunkt, dessen Erfolg davon abhängt, ob Investitionen pragmatisch priorisiert werden.Der Jobturbo belegt, dass ein aktivierender Sozialstaat mit Beratung, Sprachförderung und Vermittlung zu den wirksamsten Instrumenten effektiver Wirtschaftspolitik gehört.

    Zum Nachlesen/Nachhören:

    Die erwähnte Studie zur KI-Forschung

    Bildungstrend 2024

    Artikel der tagesschau zum wachsenden Anteil der Erneuerbaren Energien am deutschen Strommix

    Zeit-Artikel über den Erfolg des Jobturbos

    Die erwähnte Studie zur Wirkung des Jobturbos im deutschen Arbeitsmarkt

    Artikel des Tagesspiegel zum Verlust von 100.000 Industriejobs

    IAB-Stellungnahme zu Veränderungen am deutschen Arbeitsmarkt

    Unsere Folge mit der Chefin des Jobcenter München, Annette Farrenkopf

  • Der Bund gibt Geld an die Bahn, fordert Dividende und zahlt diese dann wieder als Zuschuss – ein teurer Kreisverkehr. Philippa Sigl-Glöckner, Niklas Illenseer und Dr. Vera Huwe zerlegen die komplexen Finanzströme bei der Deutschen Bahn zwischen Kernhaushalt, Sondervermögen und Trassenpreisen.

    Das Wichtigste:

    Lediglich 20 Prozent aller Bahntickets werden zum regulären Preis verkauft, da die Nachfrage im Fernverkehr ohne Rabatte zu gering wäre.Deutschland leistet sich einen teuren Sonderweg in Europa, indem es versucht, die vollen Kosten der Infrastruktur über hohe Trassenpreise auf die Nutzer umzulegen.Die bisherige Finanzierung über Eigenkapitalerhöhungen hat die Finanzierung der Bahn verteuert, da auf dieses Kapital eine Rendite erwirtschaftet werden musste.Das neue Sondervermögen stellt zwar für 2026 rund 19 Milliarden Euro bereit, bietet aber keine Planungssicherheit über das Jahr 2029 hinaus.Statt der aktuellen "Stop-and-Go-Finanzierung" wäre ein langfristiger Eisenbahnfonds nach Schweizer Vorbild die effizientere Lösung für eine verlässliche Infrastruktur.

    Zum Nachlesen:

    Unser Geldbrief „Warum Bahnfahren noch teurer wird“

    Unsere Studie „Entgleist: Wie eine intransparente und komplexe Finanzierungsstruktur die Kosten der Schiene in dieHöhe treibt“

  • Wer bekommt Bürgergeld und wie läuft die Arbeit in einem Jobcenter ab? Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Annette Farrenkopf, Leiterin des Jobcenters München, über Menschen ohne Erwerbsarbeit: Es geht darum wer wie mitwirken muss und die Erkenntnis, das jeder Fall seine eigene Geschichte hat, die weit über statistische Merkmale hinaus geht.

    Das Wichtigste:

    Viele Menschen, die Bürgergeld beziehen, arbeiten bereits, doch wegen hoher Wohn- und Lebenshaltungskosten reicht ihr Einkommen oft nicht zum Leben.Sprachkurse und Qualifizierungen sind entscheidend, um Jobs zu finden und die Abhängigkeit von Transfers zu senken.Hohe Transferentzugsraten (Einkommen, dass auf Transfers angerechnet wird) führen dazu, dass sich Mehrarbeit für viele finanziell oft wenig lohnt.Jede erfolgreiche Integration in Arbeit spart viel Geld, denn 100.000 Bürgergeld-Empfänger weniger entlasten den Staatshaushalt um rund 3 Milliarden Euro pro Jahr.

    Zum Nachlesen/Nachhören:

    Zur Reform der Transferentzugsraten und Verbesserung der Erwerbsanreize

    Unsere Folge mit Prof. Dr. Andreas Peichl

  • Der Haushalt 2026 steht, doch ab 2027 fehlen bis zu 60 Milliarden Euro pro Jahr. Wenn man jetzt nicht umsteuert, schrumpft der politische Gestaltungsspielraum bis 2035 praktisch auf Null. Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson stellen euch in dieser Folge ein Sparmenü zusammen.

    Schickt uns eure Sparvorschläge an [email protected]

    Das Wichtigste:

    Ab 2027 klafft im Bundeshaushalt eine strukturelle Lücke von bis zu 60 Milliarden Euro jährlich.Ohne Kurswechsel schrumpft der finanzielle Spielraum der Regierung bis zum Jahr 2035 auf null.Prioritäten überdenken: Während der Staat Strompreise mit rund 40 Milliarden Euro subventioniert, müssen sich Kitas und Hochschulen 940 Millionen Euro teilen.Nicht die Zinsen sind das Problem, sondern teure Wahlgeschenke und ineffiziente Subventionen, die über 50 Prozent des Haushalts binden.

    Zum Nachlesen:

    Unser neuer Geldbrief "Sinnvoll sparen"

    Hier (Seite 133) ist die erwähnte Liste mit den 20 größten Steuervergünstigen

  • Der Gewinneinbruch bei Porsche sorgt für Schlagzeilen. Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Maximilian Paleschke analysieren, was die neuen Quartalszahlen über die Lage der deutschen Autoindustrie verraten und warum Ratlosigkeit das zentrale Problem zu sein scheint.

    Das Wichtigste:

    Porsche im freien Fall: Gewinneinbruch um 99 % – schwacher E-Auto-Absatz, Konkurrenz aus China, Rückkehr zum Verbrenner.China als Problemmarkt: Luxussteuer und technologische Überlegenheit heimischer Hersteller belasten deutsche Marken.Mercedes stabilisiert sich vorübergehend: Aktie steigt kurzzeitig dank geringerer Verluste, Stellenabbau und glaubwürdiger Kommunikation.Dividenden statt Zukunft: Deutsche Hersteller zahlen hohe Gewinne aus, kürzen aber bei Forschung und Entwicklung.Politik muss Richtung geben: Klare Linie bei Elektromobilität statt ständiger Unsicherheit – Reformen statt Rückwärtsgang.

    Zum Nachlesen/Nachhören:

    Die Präsentation von Porsche zu den Quartalszahlen

    Unser Geldbrief zum Autogipfel: Sondergeldbrief: Tausche Strafzahlungen gegen grünen Stahl – Autodeal verfehlt Ziel

    Eine Einordnung der Zahlen von Mercedes von wallstreet online

  • Ein Blick in den Maschinenraum der Autoindustrie: Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Tobias Braun, CFO von Benteler, diskutieren, wie es um die deutsche Industrie steht und warum das Glas aus Sicht eines globalen Autozulieferers eher halb voll und trotzdem sehr viel in Bewegung ist.

    Das Wichtigste:

    Produktionsverlagerungen in die Region der Nachfrage sind normal und spiegeln wirtschaftliche Entwicklungen, nicht Standortfehler wider.Hohe Lohn- und Energiekosten erhöhen den Druck hin zu einer extrem produktiven und innovativen Produktion in Deutschland.Innovation folgt den Märkten, weil Kundennähe und Skaleneffekte entscheidend für die Entwicklung sind.Spezialisierung bietet Chancen, um in neuen Nischen internationale Stärke zurückzugewinnen.Resilienz bedeutet Anpassungsfähigkeit statt Festhalten an alten Subventionsstrukturen.

    Zum Nachlesen/Nachhören:

    In unserer Podcastfolge zum Strukturproblem im Arbeitsmarkt gehen wir ebenfalls auf die Autobranche ein: https://open.spotify.com/episode/1blbKVLCu7oDgsbxXxbkzS?si=2bg2XSQwROW25vZrcOrsUQ

    Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zum Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe. Die negative Entwicklung ist wesentlich auf die Rückgänge von Neuaufträgen in der Automobilindustrie (-6,4 %) zurückzuführen: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/10/PD25_362_421.html?nn=2110

  • Der Bund kann bei TenneT Deutschland einsteigen. TenneT ist als Übertragungsnetzbetreiber eines von vier Unternehmen das Stromautobahnen betreibt, die für die Energiewende extrem wichtig sind. Die Niederlande als bisherige Eigentümerin möchte TenneT gerne verkaufen. Philippa Sigl-Glöckner und Janek Steitz erklären, warum der Netzausbau Milliarden kostet, wieso die Strompreise hoch sind – und wie wir alle von klugen Beteiligungen des Bundes profitieren könnten.

    Zum Nachlesen/Nachhören

    Geldbrief „Warum der Bund bei TenneT einsteigen sollte“.Studie Dezernat Zukunft zu Finanzierungskosten von Übertragungsnetzen.Gutes Geld, Buch von Philippa Sigl-Glöckner zu der Frage, warum Geld zu selten dort hin fließt, wo es gutes bewirken kann.Podcastfolge mit Strommarkt-Experten Lion Hirth zu Möglichkeiten, Kosten strukturell zu senken.

    Das Wichtigste

    Die Niederlande haben 46 % von TenneT an internationale Investoren (Norwegen, Singapur, Niederlande) verkauft.Auch die restlichen Anteile sollen verkauft werden. Das gibt dem Bund die Chance, die restlichen Anteile zu kaufen und damit Netzkosten bzw. Strompreise strukturell zu senken. Bis 2045 müssen rund 400–450 Mrd. € in die Übertragungsnetze fließen.Netzausbau nötig wegen Elektrifizierung und Windkraft im Norden.Netzentgelte steigen; Regierung senkt sie aktuell mit 6,5 Mrd. € Subventionen, strukturelle Lösungen sind auf Dauer besser.Finanzierungskosten könnten 2035 ~40 % der Netzkosten ausmachen.Der Bund könnte mit Eigenkapitalbeteiligungen rund 50 Mrd. € über 20 Jahre sparen.Mix aus staatlichen und privaten Eigentümern sorgt für Effizienz und Kontrolle.
  • O’zapft is! Zum Start des Oktoberfests fragen sich Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Maximilian Paleschke: Wie viel Bier braucht die Welt? Und was sagt der Bierpreis über unsere Wirtschaft? Wir schauen auf Zahlen, Trends und die Rolle des Konsums für unser Wirtschaftsmodell. Außerdem werfen wir den Blick nach China und diskutieren, warum dort Infrastruktur der Motor der Konjunktur ist, während es in Deutschland vor allem mehr Geld in den Taschen der Menschen bräuchte.

    Solltest du oder deine Freunde/Familie Hilfe brauchen, um den Weg aus einer Abhängigkeit heraus zu finden, dann kannst du dich hier über Sucht-Beratungsstellen in deiner Nähe informieren.

    Takeaways:

    Bierpreise steigen im Rahmen der Inflation: Die Maß kostet zwischen 14,50 € und 15,80 €, was zwar teuer wirkt, aber angesichts der allgemeinen Preissteigerungen der letzten Jahre nicht aus dem Rahmen fällt.

    Bierkonsum geht langfristig zurück: Deutschland ist nicht mehr Weltmeister im Bier trinken, der Pro-Kopf-Konsum sinkt seit Jahrzehnten. Nur bei Events wie der Wiesn steigt der Konsum pro Kopf.

    Konsum ist zentral für die Wirtschaft: Schwacher privater Konsum senkt das Wachstum, macht Deutschland abhängiger vom Export und kostet Jobs, gerade bei Menschen ohne Berufsabschluss.

    Vergleich mit China: China kurbelt seine Konjunktur mit massiven Infrastrukturinvestitionen an. In Deutschland fehlt ein starker Binnenkonsum. Um den Konsum zu stärken, könnte eine Reform der Einkommensteuer helfen, die niedrige und mittlere Einkommen entlastet.

    Zum Nachlesen:

    Unsere Studie zur Reform der Einkommensteuer

    Ein Gastbeitrag im Surplus Magazin von Levi Henze darüber, wie viel Lohn für ein angemessenes Leben benötigt wird.

    Rückgang des Bierkonsums in Deutschland