Afleveringen

  • Wann hast du dich zuletzt bewusst um deine Darmgesundheit gekümmert? Die meisten Menschen beschäftigen sich erst dann mit ihrem Darm, wenn Beschwerden wie Blähungen, Verstopfung oder eine Reizdarmsymptomatik auftreten. Dabei beginnt eine gesunde Darmflora lange vorher. Dr. Andrea Morawe erklärt in der neuen Folge von „LandMEDchen“, dass drei Säulen dabei besonders wichtig sind: fermentierte Lebensmittel, Ballaststoffe und Vielfalt.

    Der Darm ist weit mehr als nur ein Verdauungsorgan. Er spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem, die Energiebereitstellung, Entzündungsprozesse und zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Spätestens durch die Diskussion rund um die Abnehmspritze wurde vielen bewusst, wie eng der Darm mit hormonellen Regelkreisen verbunden ist.

    In unserem Darm leben Billionen von Mikroorganismen – darunter Bakterien, Pilze und Viren. Das ist keineswegs etwas Schlechtes, sondern ein wichtiger Bestandteil unserer Gesundheit. Diese Mikroorganismen unterstützen zahlreiche Stoffwechsel- und Verdauungsprozesse und stehen über die Darm-Hirn-Achse sogar mit unserem Gehirn in Verbindung. Deshalb essen wir nicht nur für uns selbst, sondern versorgen gleichzeitig ein komplexes Ökosystem.

    Wichtig ist dabei: Vielfalt. Andrea hat in den vergangenen Jahren beobachtet, dass Ernährung häufig mit Verzicht verbunden wird. Genau das hat ihr Interesse an der Ernährungsmedizin geweckt. Heute orientiert sie sich am Prinzip „30 Pflanzen pro Woche“. Dieses Konzept stammt aus dem American Gut Project, bei dem die Ernährungsgewohnheiten zahlreicher Menschen untersucht wurden. Das Ergebnis: Wer etwa 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche verzehrte, weist eine größere Vielfalt des Darm-Mikrobioms auf.

    Für Andrea beginnt gesunde Ernährung deshalb nicht mit dem Weglassen, sondern mit dem Hinzufügen. Den Darm vergleicht sie mit einem Garten: Wird dort immer nur eine einzige Pflanzenart ausgesät, entsteht eine anfällige Monokultur. Je vielfältiger die Bepflanzung, desto robuster und widerstandsfähiger wird das gesamte Ökosystem.

    Die zweite wichtige Säule sind Ballaststoffe. Obwohl sie häufig unterschätzt werden, dienen sie den Darmbakterien als wertvolle Nahrungsquelle. Aus ihnen entstehen kurzkettige Fettsäuren, die wiederum eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit spielen. Gute Ballaststofflieferanten sind unter anderem Haferflocken, Vollkornprodukte, Bohnen, Linsen, Kichererbsen sowie Nüsse und Samen. Allerdings erreichen die meisten Menschen die empfohlene tägliche Aufnahme von 30 Gramm Ballaststoffen nicht.

    Als dritte Säule nennt Andrea fermentierte Lebensmittel. Schon lange bevor Fermentation zum Social-Media-Trend wurde, machten sich unsere Vorfahren diese Methode zunutze. Auch wissenschaftlich gibt es hierzu interessante Daten, beispielsweise von der Stanford University. Dort zeigte sich, dass Menschen mit regelmäßigem Verzehr fermentierter Lebensmittel niedrigere Entzündungsmarker (Inflammation) und eine größere mikrobielle Vielfalt aufwiesen.

    Zu fermentierten Lebensmitteln zählen Naturjoghurt, Kefir, Sauerkraut, Sauerteig, Kimchi und weiteres fermentiertes Gemüse. Entscheidend ist dabei nicht die Menge, sondern die Regelmäßigkeit.

    Zum Schluss greift Andrea noch einmal ihre Garten-Metapher auf: Die verschiedenen Pflanzen decken den Tisch für die Darmbakterien, die Ballaststoffe sorgen dafür, dass alle satt werden, und die fermentierten Lebensmittel bringen noch ein paar neue Gäste mit. So entsteht ein vielfältiges und stabiles Darm-Mikrobiom.

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  • Wie ist das eigentlich, wenn man als selbstständige Hausärztin schwanger wird? Genau dieser Frage widmen sich Dr. Andrea Morawe und Nadja Jesswein in der neuen Folge von „LandMEDchen“. Nadja ist niedergelassene Hausärztin, Co-Sprecherin des Bundesforums Hausärztinnen im Hausärztinnen- und Hausärzteverband sowie in der Ärztekammer Niedersachsen engagiert.

    Heute sind rund zwei Drittel der Absolvent:innen des Medizinstudiums weiblich. Gleichzeitig gibt es für niedergelassene Ärztinnen während einer Schwangerschaft kaum soziale Absicherung. Während angestellte Ärztinnen sechs Wochen vor der Geburt freiwilligen Mutterschutz und anschließend acht Wochen verpflichtenden Mutterschutz mit finanzieller Absicherung durch den Mutterschutzlohn erhalten, existiert eine vergleichbare Regelung für Selbstständige nicht.

    Ein zentrales Problem sehen Andrea und Nadja darin, dass Schwangerschaft im Sozialrecht häufig ähnlich behandelt wird wie eine Erkrankung – obwohl sie keine Krankheit ist.

    Hinzu kommt der sogenannte Sicherstellungsauftrag. Mit der Zulassung durch die Kassenärztliche Vereinigung verpflichten sich niedergelassene Ärzt:innen dazu, die Versorgung ihrer Patient:innen sicherzustellen. Deshalb kann eine Praxis auch während Urlaub oder Schwangerschaft nicht einfach geschlossen werden. Stattdessen muss eine geeignete Vertretung organisiert werden.

    Genau hier entstehen weitere Schwierigkeiten. Vertretungsbörsen oder entsprechende Netzwerke sind vielerorts kaum vorhanden. Zusätzlich unterscheiden sich die Regelungen je nach Bundesland. In Niedersachsen ist es beispielsweise nicht möglich, am selben Tag gemeinsam mit einer Vertretung in der Praxis tätig zu sein. Der Vertreter arbeitet dann auf eigene Rechnung.

    Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Entlastungsassistenz. Dabei wird eine Ärztin oder ein Arzt befristet angestellt, um die Praxis zu unterstützen. Allerdings entstehen dadurch Sozialabgaben, gleichzeitig besteht unter bestimmten Voraussetzungen das Risiko einer Scheinselbstständigkeit. Hinzu kommt, dass die Praxisinhaberin weiterhin für mögliche Regresse haftet.

    Wie hoch die finanzielle Belastung werden kann, zeigt Nadja anhand ihrer eigenen Erfahrung: Die Vertretung während ihres Mutterschutzes kostete rund 750 Euro pro Tag.

    Neben diesen Kosten laufen auch sämtliche weiteren Praxisausgaben unverändert weiter. Gehälter für Mitarbeitende, Miete und laufende Betriebskosten lassen sich während einer Schwangerschaft schließlich nicht einfach aussetzen.

    Andrea begegnet in diesem Zusammenhang immer wieder Kommentaren wie „Das wusste man doch vorher“ oder „Eine Schwangerschaft muss man eben planen“. Für sie greift diese Sichtweise deutlich zu kurz. Auch Ärztinnen führen ein ganz normales Leben – und nicht jede Lebensentscheidung lässt sich bis ins Detail planen.

    Auch Nadja betont, dass eine Schwangerschaft aus ihrer Sicht nicht zu den üblichen unternehmerischen Risiken einer Selbstständigkeit gehört. Gleichzeitig geht es ihr nicht ausschließlich um Frauen. Vereinbarkeit betrifft ebenso Männer, die Väter werden und Familie und Beruf miteinander vereinbaren möchten.

    Dabei existiert bereits eine EU-Richtlinie, die eine Unterbrechung der Erwerbstätigkeit für Selbstständige ermöglichen soll. Deutschland hat diese Vorgaben bislang jedoch nur unzureichend umgesetzt – obwohl entsprechende Ziele sogar im Koalitionsvertrag festgehalten wurden.

    Auch innerhalb der Ärzteschaft wächst der Wunsch nach Veränderungen. Ein gemeinsamer Antrag von Andrea und Nadja wurde bereits von der Bundesdelegiertenversammlung beschlossen und wird nun durch den Vorstand des Deutschen Ärztetags beraten.

    Für beide endet die Diskussion jedoch nicht beim Mutterschutz. Sie wünschen sich insgesamt flexiblere Regelungen im KV-Recht, beispielsweise mehr Möglichkeiten für Teilzeitmodelle und bessere Rahmenbedingungen, um Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können.

    Abschließend sprechen Andrea und Nadja auch über politische Vorstellungen traditioneller Familienbilder. Dabei diskutieren sie unter anderem die Positionen der AfD und wie viel Entscheidungsfreiheit diese Frauen bei der Gestaltung ihres eigenen Lebens und Berufswegs geben wollen.

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  • Zijn er afleveringen die ontbreken?

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  • Die Urlaubszeit steht bevor! Doch was sollte eigentlich in einer gut vorbereiteten Reiseapotheke nicht fehlen? Und worauf müssen Menschen achten, die regelmäßig Medikamente einnehmen? Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der aktuellen Folge von „LandMEDchen“ und gibt praktische Tipps für eine sichere Reisevorbereitung.

    Zum Einstieg berichtet sie von zwei Familien, die wichtige Bestandteile ihrer Reiseapotheke zuhause vergessen hatten. Genau deshalb kann eine reisemedizinische Beratung hilfreich sein. Dabei geht es nicht nur um Impfungen, sondern auch um individuelle Empfehlungen zur Reiseapotheke und Reisevorbereitung – besonders bei Kindern, älteren Menschen oder anderen Risikogruppen.

    Doch warum werden viele Menschen ausgerechnet im Urlaub krank? Unser Alltag ist meist von festen Gewohnheiten geprägt. Schlafzeiten, Essensrhythmus und Tagesabläufe laufen oft nach einem ähnlichen Muster ab. Im Urlaub verändert sich vieles gleichzeitig. Hinzu kommen neue klimatische Bedingungen, eine ungewohnte Flora und Fauna sowie andere Keime als zuhause. Auch aus der Stressmedizin ist bekannt, dass viele Menschen über längere Zeit unter hoher Belastung funktionieren. Fällt diese Anspannung im Urlaub plötzlich weg, reagiert der Körper nicht selten mit gesundheitlichen Beschwerden.

    Wer dauerhaft Medikamente einnimmt, sollte diese unbedingt in ausreichender Menge mitführen. Andrea empfiehlt sogar, eine Reserve einzuplanen, falls sich die Rückreise verzögert oder unerwartete Situationen eintreten. Ebenso wichtig ist eine vollständige Dokumentation der Medikation. Neben den Medikamenten selbst sollten auch Impfpass, Unterlagen der Auslandskrankenversicherung und relevante medizinische Dokumente mitgeführt werden. Zusätzlich empfiehlt sie, diese Unterlagen digital zu sichern. Dauermedikamente gehören grundsätzlich ins Handgepäck.

    In jede Reiseapotheke gehört außerdem ein Medikament gegen Fieber und Schmerzen. Andrea nennt hier Paracetamol oder Ibuprofen, bei Kindern selbstverständlich in einer altersgerechten Form. Ein Fieberthermometer sollte ebenfalls nicht fehlen.

    Magen-Darm-Beschwerden zählen zu den häufigsten Reiseerkrankungen. Neue Gewürze, veränderte Ernährungsgewohnheiten und ein unbekanntes Keimumfeld können den Verdauungstrakt belasten. Problematisch ist dabei häufig weniger die Diarrhoe selbst als vielmehr der damit verbundene Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. Deshalb empfiehlt Andrea, Elektrolyte mit auf die Reise zu nehmen.

    Auch kleinere Verletzungen oder Unfälle können im Urlaub schnell passieren. Zur Grundausstattung gehören deshalb Desinfektionsmittel, sterile Kompressen, eine Binde, Pflaster, eine Pinzette und eine Zeckenkarte. Wer viel zu Fuß unterwegs ist, profitiert außerdem von Blasenpflastern.

    Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Reiseapotheke ist der UV-Schutz. Sonnencreme und UV-Schutzkleidung sollten selbstverständlich sein. In einigen Reisezielen ist zusätzlich Insektenschutzkleidung sinnvoll. Besonders praktisch findet Andrea eine Cap mit Nackenschutz, die sowohl vor intensiver Sonneneinstrahlung als auch vor Insekten schützt. Ergänzend können Insektenschutzmittel mit geeignetem DEET-Wert verwendet werden.

    Auch in Deutschland gibt es zahlreiche FSME-Risikogebiete. Während gegen Borreliose bislang keine Impfung verfügbar ist, kann man sich gegen FSME impfen lassen. Darüber hinaus empfiehlt Andrea ein Antihistaminikum für den Fall von stärkeren Reaktionen auf Insektenstiche.

    Besondere Aufmerksamkeit widmet sie Menschen mit Diabetes. Insulin reagiert empfindlich auf Temperaturveränderungen und sollte weder starker Hitze noch Frost ausgesetzt werden. Da sich im Urlaub häufig auch das Bewegungsverhalten verändert, kann unter Umständen eine Anpassung der Insulin-Dosis erforderlich werden. Dies sollte immer gemeinsam mit dem Hausarzt oder Diabetologen besprochen werden.

    Zusätzlich verändert Wärme die Hautdurchblutung. Dadurch kann Insulin schneller aufgenommen werden als gewohnt. Deshalb erklärt Andrea in der Folge auch, woran Außenstehende eine Unterzuckerung erkennen können und warum dieses Wissen gerade auf Reisen von großer Bedeutung sein kann.

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  • Die WM steht vor der Tür! Doch was hat ein Fußballturnier eigentlich mit Gesundheit zu tun? Genau darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“.

    Große Turniere wie eine Weltmeisterschaft sind für viele Menschen etwas Besonderes – selbst für diejenigen, die sich sonst kaum für Fußball interessieren. Wenn ein Spiel spannend wird, reagiert unser Körper deutlich stärker, als man vielleicht vermuten würde. Das sympathische Nervensystem wird aktiviert, Adrenalin und Dopamin werden ausgeschüttet, Herzfrequenz und Blutdruck steigen an und auch die Atmung beschleunigt sich. Der Körper verhält sich beinahe so, als würde man selbst auf dem Spielfeld stehen.

    Deshalb fühlen sich manche Menschen nach einem nervenaufreibenden Spiel tatsächlich erschöpft oder ausgelaugt. Das ist keine Einbildung, sondern die Folge realer körperlicher Prozesse.

    Mindestens genauso wichtig wie das Spiel selbst ist jedoch das Gemeinschaftserlebnis. Menschen sind soziale Wesen und profitieren von gemeinsamen Erlebnissen. Oft erinnern wir uns Jahre später nicht mehr an das genaue Ergebnis eines Finales, wohl aber daran, mit wem wir diesen Moment geteilt haben. Regelmäßige soziale Kontakte wirken sich nachweislich positiv auf die Gesundheit aus. Sie gehen mit einer höheren Lebenszufriedenheit, weniger Einsamkeit und einem geringeren Risiko für Depressionen einher.

    Natürlich sorgen spannende Spiele auch für eine erhöhte Ausschüttung von Stress- und Glückshormonen. Das ist grundsätzlich völlig normal. Treten jedoch Beschwerden wie Schwindel, Ohnmacht, Brustdruck, Luftnot oder neurologische Symptome auf, sollten diese ärztlich abgeklärt werden. Ein schneller Puls beim Elfmeterschießen allein ist dagegen noch kein Grund zur Sorge.

    Beim Public Viewing kommen häufig weitere Belastungsfaktoren hinzu. Hohe Temperaturen, langes Sitzen, Schwitzen, unzureichende Flüssigkeitszufuhr und oft auch Alkohol können den Körper zusätzlich fordern. Die Folge können Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Schlafprobleme sein.

    Mit einfachen Maßnahmen lässt sich jedoch viel erreichen. Ausreichend Wasser trinken gehört zu den wichtigsten Empfehlungen. Wer Alkohol konsumiert, sollte zusätzlich auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Ebenso wichtig sind Schattenplätze, eine Kopfbedeckung bei direkter Sonneneinstrahlung und genügend Schlaf.

    Zum Thema Alkohol weist Andrea auf die Empfehlung der WHO hin, die eine Null-Toleranz-Strategie vertritt. Gleichzeitig ist der Verzicht heute einfacher denn je, da es mittlerweile zahlreiche alkoholfreie Alternativen gibt.

    Und natürlich gehört für viele Menschen auch die Grillwurst zum Fußballabend dazu. Andrea macht deutlich, dass eine einzelne Wurst keine chronische Erkrankung verursacht. Entscheidend ist vielmehr das Ernährungsverhalten über das gesamte Jahr hinweg. Dennoch können stark salzhaltige und energiereiche Speisen bei manchen Menschen Völlegefühl, Sodbrennen oder andere Beschwerden auslösen.

    Am Ende gibt uns Andrea mit: Gesundheit ist wichtig – aber ebenso wichtig ist Lebensqualität. Wer sich permanent alles verbietet und jede Freude reglementiert, verliert irgendwann die Balance. Und genau dann ist man möglicherweise einen Schritt zu weit gegangen.

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  • Passend zu den sommerlichen Temperaturen beschäftigt sich Dr. Andrea Morawe in der aktuellen Folge von „LandMEDchen“ mit einer oft unterschätzten Kombination: Hitze und Medikamente.

    Anhand eines Praxisbeispiels erklärt sie die Problematik. Frau Müller ist 79 Jahre alt und wird wegen Bluthochdruck, Herzschwäche und Wassereinlagerungen behandelt. Dafür nimmt sie verschiedene Medikamente ein. Während einer mehrtägigen Hitzewelle mit Temperaturen von über 30 Grad isst und trinkt sie deutlich weniger als sonst. Nach einigen Tagen treten Schwindel, Schwäche und Kreislaufprobleme auf. Die Untersuchungen zeigen einen niedrigen Blutdruck, Anzeichen einer Dehydratation, eine Verschlechterung der Nierenfunktion und einen Gewichtsverlust.

    Für Andrea wird dabei deutlich: Nicht die Hitze allein ist das Problem, sondern das Zusammenspiel von hohen Temperaturen, Flüssigkeitsmangel und medikamentöser Therapie. Deshalb sollten insbesondere Angehörige, Pflegekräfte und Ärzt:innen in den Sommermonaten aufmerksam sein.

    Der menschliche Körper verfügt grundsätzlich über wirksame Mechanismen zur Temperaturregulation. Bei Hitze kommt es zu vier zentralen Anpassungen:

    Die Schweißproduktion nimmt zu, um den Körper abzukühlen.Die Blutgefäße erweitern sich.Die Herzfrequenz steigt an.Die Atmung wird schneller.

    Diese Prozesse funktionieren zuverlässig, solange ausreichend Flüssigkeit vorhanden ist. Geht jedoch zu viel Flüssigkeit verloren, können wichtige Elektrolyte wie Natrium, Kalium und Magnesium aus dem Gleichgewicht geraten. Gleichzeitig steigt das Risiko für Einschränkungen der Nierenfunktion.

    Besonders gefährdet sind Menschen ab dem 65. Lebensjahr, vor allem Frauen. Auch Patient:innen mit Diabetes gehören zur Risikogruppe, da ihr Durstempfinden häufig verändert ist.

    Im weiteren Verlauf der Folge geht Andrea auf verschiedene Medikamentengruppen ein, die bei hohen Temperaturen besondere Aufmerksamkeit erfordern. Dazu zählen:

    Diuretika („Wassertabletten“)Blutdruckmedikamentetransdermale Applikationsformen wie PflasterPsychopharmaka

    Dabei betont sie einen wichtigen Grundsatz: Medikamente sollten niemals eigenständig abgesetzt oder in der Dosierung verändert werden. Stattdessen sind regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Flüssigkeit und eine engmaschige Kontrolle von Blutdruck und Allgemeinzustand sinnvoll.

    Gerade bei Psychopharmaka können Hitzeperioden problematisch werden. Neuroleptika beeinflussen die Wärmeregulation des Körpers, reduzieren teilweise die Schweißproduktion, können Müdigkeit verstärken, den Blutdruck senken und Verwirrtheit fördern. Auch viele Antidepressiva gehen mit einer erhöhten Schweißproduktion einher.

    Eine Sonderstellung nimmt Lithium ein. Bereits geringe Flüssigkeitsverluste können dazu führen, dass der Lithium-Spiegel deutlich ansteigt und kritische Werte erreicht.

    Auch bei Insulin gibt es Besonderheiten zu beachten. Das Medikament muss kühl gelagert werden und sollte keinesfalls längere Zeit in einem aufgeheizten Auto verbleiben. Gleichzeitig kann die durch Wärme gesteigerte Durchblutung dazu führen, dass Insulin schneller aufgenommen wird als gewohnt.

    Zum Schluss fasst Andrea die wichtigsten Empfehlungen für heiße Tage zusammen:

    Medikamente korrekt lagernAusreichend trinkenAuf Warnzeichen achtenGewicht und Blutdruck regelmäßig kontrollieren

    Denn gerade im Sommer können kleine Veränderungen im Alltag große Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

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  • Ein Thema, das viele Menschen zwar im Hinterkopf haben, aber gerne auf später verschieben: die Patientenverfügung. Dabei begegnet Dr. Andrea Morawe diesem Thema regelmäßig im Praxisalltag und spricht auch in dieser Folge von „LandMEDchen“ darüber.

    Kommt es zu einer schweren Erkrankung oder einem Unfall, stehen Angehörige und Ärzt:innen oft vor schwierigen Entscheidungen: Soll eine Ernährungssonde gelegt werden? Ist eine Trachealkanüle gewünscht? Wie steht die betroffene Person zu einer Organspende? Auf all diese Fragen gibt es kein allgemeingültiges Richtig oder Falsch. Entscheidend ist der persönliche Wille des Menschen. Damit dieser auch dann berücksichtigt werden kann, wenn man sich selbst nicht mehr äußern kann, braucht es eine Patientenverfügung.

    Die rechtlichen Grundlagen dazu finden sich in § 1827 BGB. Andrea unterstützt ihre Patient:innen bei diesem Thema, stellt Informationsmaterial des Bundesministeriums der Justiz zur Verfügung und berät bei der Erstellung einer Patientenverfügung. Dabei bestätigt sie auch, dass die betreffende Person zum Zeitpunkt der Erstellung einwilligungs- und entscheidungsfähig ist.

    Die fertige Verfügung erhalten die Patient:innen selbstverständlich selbst. Zusätzlich wird eine Kopie in der Praxis hinterlegt und ein Hinweis für das Portemonnaie mitgegeben, damit das Dokument im Ernstfall schnell gefunden werden kann.

    Wichtig ist Andrea dabei ein häufiger Irrtum: Eine Patientenverfügung bedeutet nicht automatisch, alle medizinischen Maßnahmen abzulehnen. Vielmehr geht es darum, den eigenen, ganz persönlichen Willen festzuhalten.

    Typische Inhalte einer Patientenverfügung betreffen Entscheidungen zu Reanimation, Beatmung, künstlicher Ernährung, künstlichen Körperöffnungen, Dialyse, Flüssigkeitsgabe, Antibiotikatherapie oder Organspende. Auch zur Schmerztherapie können individuelle Wünsche festgelegt werden. Manche Menschen entscheiden sich beispielsweise bewusst gegen bewusstseinsdämpfende Medikamente und nehmen dafür Schmerzen in Kauf.

    Um die Bedeutung solcher Entscheidungen greifbarer zu machen, nimmt Andrea die Zuhörer:innen auf eine Gedankenreise mit und schildert die Situation eines jungen Familienvaters im Krankenhaus.

    Dabei weist sie auch auf ein häufiges Problem hin: Manche Formulierungen in Patientenverfügungen können sich gegenseitig widersprechen oder sogar aufheben. Deshalb empfiehlt sie ausdrücklich eine fachkundige Beratung bei der Erstellung. Diese Beratung ist zwar keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, bewegt sich jedoch in einem überschaubaren finanziellen Rahmen. Wichtig ist außerdem die Unterscheidung: Die Patientenverfügung gehört in den medizinischen Bereich und wird häufig gemeinsam mit Ärzt:innen besprochen, während Vollmachten in den Zuständigkeitsbereich eines Notars fallen können.

    Andrea betont außerdem, dass eine Patientenverfügung keineswegs nur für ältere Menschen relevant ist. Schwere Unfälle oder unerwartete Erkrankungen können in jedem Lebensalter auftreten.

    Doch was passiert eigentlich, wenn keine Patientenverfügung vorliegt? Dann entscheidet nicht automatisch die Ehefrau oder der Ehemann. Stattdessen versuchen Ärzt:innen und Angehörige gemeinsam herauszufinden, was dem mutmaßlichen Willen der betroffenen Person entsprochen hätte.

    Anhand eines Beispiels aus ihrer Praxis mit einem demenziell erkrankten Patienten zeigt Andrea, wie belastend solche Situationen für alle Beteiligten sein können. Umso wichtiger ist es, diese Gespräche einfühlsam und offen zu führen.

    Zum Schluss gibt sie praktische Hinweise für die Formulierung einer Patientenverfügung und richtet auch einen Appell an Angehörige: In solchen Momenten trifft man keine Entscheidung für sich selbst, sondern für den betroffenen Menschen. Und wenn man sich dieser Verantwortung nicht gewachsen fühlt, sollte man auch das ehrlich aussprechen dürfen.

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  • „Heute schauen wir uns Ihre Haut nochmal genauer an“ – diesen Satz hören Millionen gesetzlich Versicherte regelmäßig beim Hautkrebsscreening. Doch genau diese Untersuchung wird derzeit kontrovers diskutiert: Handelt es sich um eine sinnvolle Form der Krebsfrüherkennung oder um ein kostenintensives Routineprogramm mit begrenztem Nutzen?

    Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“.

    Das Hautkrebsscreening gehört zur Krebsfrüherkennung und steht allen gesetzlich Versicherten ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre zu. Dabei wird die Haut am gesamten Körper untersucht – inklusive Kopfhaut und Zehenzwischenräumen. Durchgeführt werden kann die Untersuchung sowohl von Dermatolog:innen als auch von entsprechend qualifizierten Hausärzt:innen.

    Ziel des Screenings ist es, Hautkrebsformen wie das maligne Melanom, Basalzellkarzinome oder Plattenepithelkarzinome möglichst früh zu erkennen, damit eine Therapie rechtzeitig eingeleitet werden kann. Dahinter steht die Hoffnung, die Prognose und Überlebenschancen der Patient:innen zu verbessern. Grundlage dafür ist unter anderem die S3-Leitlinie zur Prävention von Hautkrebs.

    Allerdings ist die Datenlage komplex. Zwar sollen frühe Tumorstadien entdeckt werden, eindeutige Studien, die eine Senkung der Sterblichkeit durch das allgemeine Screening belegen, fehlen jedoch bislang. Gleichzeitig besteht das Risiko einer Überdiagnostik. Auffällige Hautveränderungen werden häufiger entfernt, obwohl sie möglicherweise nie problematisch geworden wären. Das kann Patient:innen psychisch belasten und verursacht zusätzliche Kosten.

    Auch die DEGAM positioniert sich differenziert: Kein generelles Screening nach dem Gießkannenprinzip, aber ein klares Ja für Risikogruppen. Dazu zählen beispielsweise Menschen mit sehr hellem Hauttyp, familiärer Vorbelastung oder hoher UV-Belastung.

    Für Andrea bedeutet das Hautkrebsscreening jedoch mehr als nur die reine Hautinspektion. Sie nutzt diese Termine auch, um mit Patient:innen über Prävention, Sonnenschutz und UV-Exposition zu sprechen. Genau dieser präventive Aspekt würde ihrer Meinung nach verloren gehen, wenn das Screening komplett wegfallen würde.

    Für sie bleibt deshalb klar: Das Hautkrebsscreening kann sinnvoll sein – allerdings gezielter eingesetzt und nicht pauschal bei allen Menschen gleichermaßen. Gute Medizin bedeutet manchmal eben auch, kritisch zu hinterfragen, ob ein Instrument tatsächlich den Nutzen bringt, den man sich davon versprochen hat.

    Zum Schluss spricht Andrea außerdem darüber, dass sie sich mehr strukturierte Beratungsmöglichkeiten zu Gesundheitsthemen im Sommer wünschen würde – beispielsweise zur richtigen Lagerung von Medikamenten bei hohen Temperaturen.

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  • „Warum bekomme ich denn keine Massage verschrieben? Ich habe doch Schmerzen!“

    Genau diese Frage hört Dr. Andrea Morawe häufig in der Praxis. Doch die gesetzliche Krankenkasse ist nicht für Wellness zuständig, sondern für Therapie. Dabei geht es nicht darum, sich passiv behandeln zu lassen, sondern aktiv etwas für die eigene Gesundheit zu tun – Hilfe zur Selbsthilfe also. Die Krankenkassen zahlen nicht für Maßnahmen, die sich kurzfristig gut anfühlen, sondern für Therapien mit langfristigem Nutzen.

    Deshalb spricht Andrea in der neuen Folge von „LandMEDchen“ über Heilmittel, ihre verschiedenen Formen und darüber, wie sie eigentlich funktionieren.

    Grundlage dafür ist der Heilmittelkatalog. Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie, Podologie und Logopädie. Ziel dieser Heilmittel ist immer, Funktionen zu verbessern – also beispielsweise besser greifen, sich sicherer bewegen oder den Alltag wieder selbstständiger bewältigen zu können. Physio- und Ergotherapie tragen außerdem oft dazu bei, dass Menschen länger zuhause leben können und nicht frühzeitig in eine Pflegeeinrichtung müssen.

    Kommen Patient:innen mit Rückenschmerzen in die Praxis und wünschen sich Massagen, steckt dahinter meist der Wunsch nach schneller Schmerzlinderung. Langfristig helfen bei vielen Beschwerden jedoch eher gezieltes Training, aktive Übungen und Muskelaufbau. Andrea ist deshalb ein großer Fan von Reha-Training beziehungsweise Rehabilitationssport. Dieser wird häufig von den Krankenkassen übernommen und hat zusätzlich einen sozialen Effekt, weil er oft in Gruppen stattfindet.

    Ein klassisches Heilmittelbudget gibt es zwar nicht, dennoch existieren Richtgrößen, an denen sich Hausärzt:innen orientieren müssen. Entscheidend ist dabei auch, wie viel Kolleg:innen im Umfeld verordnen. Wer deutlich mehr verschreibt, gerät schneller in eine Plausibilitätsprüfung. Der wirtschaftliche Druck spielt also trotzdem eine Rolle.

    Andrea erklärt außerdem, dass sie bestimmte Leistungen wie Kinesio-Tape nach dem WANZ-Prinzip nicht über die gesetzliche Krankenkasse abrechnen darf, weil diese nicht im GKV-Katalog enthalten sind. Deshalb bietet sie solche Leistungen als Selbstzahlerleistungen an. Für sie wäre es eine Entmündigung der Patient:innen, diese Möglichkeiten gar nicht erst anzubieten.

    Für Patient:innen mit einem besonders hohen Heilmittelbedarf – etwa nach einem Schlaganfall – gibt es zusätzlich den langfristigen beziehungsweise besonderen Heilmittelbedarf.

    Außerdem spricht Andrea über den Heilmittel-Richtlinienkatalog, in dem genau festgelegt ist, welche Untergruppen und Bedarfe existieren. Als praktische Unterstützung empfiehlt sie den Hausärztinnen- und Hausärzteverband mit der Zeitschrift „hausärztliche Praxis digital“, in der sich hilfreiche Übersichten und „Spickzettel“ finden.

    Massagen können zwar kurzfristig entspannen und Schmerzen lindern, lösen aber häufig nicht die eigentliche Ursache. Natürlich spielt auch mentale Entspannung eine wichtige Rolle, weil sich dadurch verspannte Muskulatur lockern kann. Ohne Behandlung der Ursache kehren die Beschwerden jedoch oft zurück.

    Ein weiteres Thema ist die sogenannte Blanko-Verordnung, von der Andrea ein großer Fan ist und die sie gerne stärker ausgebaut sehen würde. Diese gibt es aktuell in der Physiotherapie bei bestimmten Schultererkrankungen. Dabei entscheidet nicht die Ärztin im Detail über jede einzelne Therapieform, sondern die Heilmittelerbringer:innen wählen selbstständig die passende Behandlung aus und passen sie flexibel an den Verlauf an.

    Andrea fasst es am Ende treffend zusammen: Viele wünschen sich verständlicherweise die angenehmste Lösung. Das Gesundheitssystem bezahlt jedoch vor allem Therapien, die langfristig zu einer Verbesserung führen – und das passiert meist durch Aktivierung, Bewegung und Eigenarbeit.

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  • Dieses Thema betrifft längst nicht nur Frauen, sondern die gesamte Gesellschaft. Stell dir vor: Du bist Ärztin, hast viele Jahre studiert, gehst den Schritt in die Niederlassung und wirst schwanger. Doch genau dann zeigt sich ein großes Problem im System: Während es im Angestelltenverhältnis klare Schutzregelungen gibt, fehlt dieser Schutz für selbstständige Ärztinnen nahezu vollständig.

    Auch auf dem Deutschen Ärztetag wird das Thema in diesem Jahr diskutiert. Mittlerweile sind rund 60 % der Absolvent:innen des Medizinstudiums weiblich. Gleichzeitig braucht das Gesundheitssystem dringend Nachwuchs im ambulanten Bereich. Politik und Gesundheitswesen wünschen sich mehr Niederlassungen, außerdem werden Nachfolger:innen für bestehende Praxen benötigt, besonders in der ländlichen Versorgung.

    Im Angestelltenverhältnis gibt es klare Regelungen zum Mutterschutz: Sechs Wochen vor der Geburt und acht bis zwölf Wochen danach. Die Zeit vor der Geburt ist freiwillig, die Zeit nach der Geburt verpflichtend. Für Studierende existieren Sonderregelungen, damit sie ihre Ausbildung nach der Geburt schneller fortsetzen können.

    Für selbstständige Ärztinnen sieht die Situation jedoch völlig anders aus. In der Novellierung des Mutterschutzes wurden sie kaum berücksichtigt. Faktisch gibt es keinen Mutterschutz für Selbstständige. Daraus entstehen erhebliche finanzielle Belastungen: Die laufenden Kosten bleiben bestehen, die Verantwortung für Praxis, Mitarbeitende und Organisation ebenfalls.

    Auch die Vertretungsregelung ist kompliziert. Viele Ärztinnen müssen sich zwischen „ganz oder gar nicht“ entscheiden, statt beispielsweise stundenweise weiterarbeiten zu können.

    Das Mutterschaftsgeld ist bei gesetzlich Versicherten meist ähnlich geregelt wie das Krankengeld und beginnt formal nach sechs Wochen. Trotzdem bleibt häufig eine Versorgungslücke bestehen. In der privaten Krankenversicherung hängen Leistungen oft von individuellen Vereinbarungen ab.

    Zusätzlich gibt es zwar Praxisausfallversicherungen, diese schließen Schwangerschaften jedoch häufig aus. Andrea erzählt, dass sie sich ihre eigene Schwangerschaft letztlich „angespart“ hat. Dabei darf man nicht vergessen: Gerade junge Ärztinnen, die sich neu niederlassen, tragen hohe finanzielle Belastungen. Die Abschlagszahlungen der KV kommen zeitversetzt, während Miete, Gehälter und weitere Praxiskosten trotzdem weiterlaufen.

    Die Folge daraus: Viele junge Ärztinnen verschieben die Niederlassung oder entscheiden sich ganz dagegen. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, wie glaubwürdig eine Niederlassungsstrategie überhaupt sein kann, wenn zentrale Lebensphasen nicht ausreichend abgesichert werden.

    Neu ist das Thema keineswegs. Die Problematik ist seit Jahren bekannt, politische Versprechungen gab es viele – konkrete Veränderungen hingegen kaum. Sogar eine EU-Richtlinie (2010/41/EU) existiert bereits, wurde in Deutschland bislang jedoch nicht umgesetzt.

    Dabei betrifft dieses Thema nicht nur die Mütter selbst, sondern auch die Gesellschaft insgesamt und natürlich die ungeborenen beziehungsweise frisch geborenen Kinder.

    Auch über die Finanzierung wird intensiv diskutiert. Im Raum stehen unterschiedliche Modelle, etwa ein Mutterschutzfonds für Selbstständige, ein Umlagesystem oder eine steuerfinanzierte Übergangsförderung. Hochrechnungen gehen von einem Finanzierungsbedarf von rund 229 Millionen Euro aus. Andrea kann sich besonders eine Umlagelösung gut vorstellen.

    Ihr Appell an die Politik ist deshalb eindeutig: Wer über moderne Versorgung, Gleichstellung und Nachwuchsförderung spricht, muss auch diese Lebensrealitäten konsequent mitdenken.

    Zu „Mutterschutz für Alle“: https://mutterschutzfueralle.de/

    Zum Bündnis: https://mutterschutz-fuer-selbststaendige.de/

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  • Die Zuckersteuer wird aktuell erneut intensiv diskutiert, denn die Finanzkommission Gesundheit hat sie wieder ins Gespräch gebracht. Der Hintergrund: Durch eine solche Maßnahme könnten jährlich rund 450 Millionen Euro zusätzlich eingenommen und gleichzeitig hunderttausende Diabetes-Erkrankungen verhindert werden. Genau darüber spricht Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“.

    In Deutschland entstehen jedes Jahr enorme Kosten durch Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Adipositas oder frühzeitige Arthrose. Gleichzeitig wird eine Maßnahme, die nachweislich präventiv wirken könnte, politisch weiterhin kontrovers diskutiert. Andrea betont dabei klar: Es geht nicht darum, den Sonntagskuchen zu verbieten.

    Medizinisch lässt sich der Zusammenhang gut erklären. Vor allem zuckerhaltige Getränke führen dazu, dass Zucker sehr schnell aufgenommen wird. Dadurch entstehen starke Insulinspitzen. Langfristig kann das eine Insulinresistenz fördern und die Bildung von viszeralem Fettgewebe begünstigen.

    Sowohl die WHO als auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin empfehlen deshalb eine deutliche Reduktion von Zucker in Getränken und sprechen sich für verhältnispräventive Maßnahmen wie eine Zuckersteuer aus. Die wissenschaftliche Datenlage dazu ist eindeutig.

    Die Zahlen zeigen ebenfalls die Dimension des Problems: Rund die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland gilt als übergewichtig, etwa 20 Prozent sind adipös. Natürlich wäre eine gesündere Ernährung grundsätzlich möglich, allerdings zeigt die Verhaltensforschung deutlich, wie stark unser Umfeld das Essverhalten beeinflusst. Großbritannien wird dabei oft als Beispiel genannt: Dort sank nach Einführung der Zuckersteuer der Zuckeranteil in Softdrinks um etwa 30 Prozent.

    Kritiker:innen sprechen häufig von Bevormundung. Andrea sieht das anders. Für sie geht es nicht um Verbote, sondern darum, gesundheitsschädliche Strukturen zu verändern. Sie zieht den Vergleich zur Anschnallpflicht: Auch hier existieren klare Regeln zum Schutz der Bevölkerung, trotzdem bleibt die individuelle Entscheidung bestehen.

    Ein weiteres Argument gegen die Zuckersteuer ist die Sorge vor sozialer Ungleichheit. Andrea verweist jedoch darauf, dass gerade sozial benachteiligte Gruppen aktuell die höchste Krankheitslast tragen und deshalb besonders von einer Zuckersteuer profitieren könnten.

    Für Andrea liegt das Problem längst nicht mehr im fehlenden Wissen, sondern in der Umsetzung. Eltern möchten ihren Kindern nicht schaden, bewegen sich aber in einer Umgebung, in der stark zuckerhaltige Produkte jederzeit verfügbar und gezielt vermarktet werden.

    Zusätzlich spricht sie sich dafür aus, Obst und Gemüse steuerlich zu entlasten und die Kennzeichnung von Lebensmitteln verständlicher zu gestalten. Der Nutri-Score beispielsweise vergleicht Produkte nur innerhalb derselben Kategorie und liefert deshalb oft kein vollständiges Bild.

    Am Ende stellt Andrea die entscheidende Frage: Nicht, ob wir uns eine Zuckersteuer leisten können – sondern wie lange sich unser Gesundheitssystem leisten kann, weiterhin darauf zu verzichten.

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  • Wie funktioniert die Abrechnung und die Wirtschaftlichkeit einer Hausarztpraxis? Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“.

    In einer Hausarztpraxis bekommt die Ärztin oder der Arzt für jeden Patienten pro Quartal – also für drei Monate – einen festen Betrag. Sobald die Patient:innen ihre Karte einlesen lassen, entsteht ein Schein, der den Wert von 60-70 Euro hat.

    Dabei spielt es keine Rolle, ob der Patient einmal kommt oder zehnmal und wie viel Zeit die Behandlung tatsächlich kostet, d.h. der Schweinwert sagt nichts über den einzelnen Patienten aus.

    Zusätzlich gibt es ein recht komplexes System aus Zeit- und Geldberechnung. Grundlage dafür ist der sogenannte Punktwert. Jede ärztliche Leistung hat im EBM eine bestimmte Anzahl an Punkten. Diese Punkte werden mit dem Punktwert multipliziert und ergeben so den Geldbetrag, den die Praxis dafür bekommt. Gleichzeitig ist jeder Leistung auch eine Kalkulationszeit zugeordnet. Diese legt fest, wie viel Zeit theoretisch für eine Leistung vorgesehen ist und bestimmt mit, wie hoch ihre Vergütung ist. In der Realität reicht diese Zeit jedoch oft nicht aus, weil Gespräche und Behandlungen deutlich länger dauern.

    Daneben gibt es die sogenannte Prüfzeit. Sie dient der Kontrolle und legt fest, wie viele Stunden Ärztinnen und Ärzte pro Quartal maximal abrechnen dürfen. Überschreiten sie diese Grenze (bei einem vollen Kassensitz pro Quartal 780 Stunden), geht die Kassenärztliche Vereinigung davon aus, dass die Leistungen nicht vollständig oder nicht korrekt erbracht worden sein könnten – und es kann zu einer Prüfung kommen.

    Das soll davor schützen, dass das System ausgenutzt wird.

    Das führt zu einem Problem: Wenn eine Praxis sehr viele Patientinnen und Patienten versorgt, was vor allem auf dem Land oft nötig ist, kommt sie schnell an diese Zeitgrenzen. Im Extremfall können Leistungen dann nicht mehr abgerechnet werden, obwohl sie erbracht wurden und vielleicht zum Teil von MFAs und VERAHs vorbereitet wurden. Zudem: Sich viel Zeit für eine Leistung zu nehmen wird nicht besser vergütet. In der privaten Krankenversicherung, also bei Abrechnung nach GoÄ sieht das anders aus.

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bezahlung der Leistungen. Technische Untersuchungen, zum Beispiel Lungenfunktionstest, EKG, Blutdruck, Ultraschall, etc. sind vergleichsweise gut vergütet, zudem sind sie gut planbar. Gespräche mit Patientinnen und Patienten dagegen, obwohl sie zentral für die Behandlung sind, bringen deutlich weniger Geld und sind oft zusätzlich begrenzt. Für Präventionsgespräche kann man selbst nichts abrechnen.

    Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit in der Hausarztpraxis sind Gespräche. Dafür gibt es sogenannte Gesprächsziffern. Das sind Abrechnungspositionen für Beratungen, also zum Beispiel, wenn Diagnosen erklärt werden oder Therapien besprochen werden. Diese Gespräche sind medizinisch sehr wichtig, werden aber im System vergleichsweise schlecht vergütet und sind zusätzlich oft budgetiert. Das heißt: Wenn eine Praxis viele ausführliche Gespräche führt, wird jedes einzelne Gespräch am Ende schlechter bezahlt.

    Besonders relevant wird das bei sogenannten F-Diagnosen. Das sind Diagnosen aus dem Bereich der psychischen Erkrankungen, zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen. Hier braucht es oft mehr Zeit, mehr Gespräche und eine engere Begleitung der Patient:innen.

    Dazu kommt das Problem der Budgetierung. Das bedeutet: Eine Praxis bekommt nur bis zu einer bestimmten Menge die volle Bezahlung für ihre Leistungen, z.B. bei den Gesprächsziffern. Wenn diese Grenze überschritten wird, sinkt die Vergütung oder fällt ganz weg. Die Ärzt:innen behandeln ihre Patient:innen meist trotzdem weiter, aber ein Teil dieser Arbeit wird dann nicht mehr richtig bezahlt.

    Am Ende stehen Ärztinnen und Ärzte ständig vor einem Konflikt. Sie wollen sich ausreichend Zeit für ihre Patientinnen und Patienten nehmen, müssen aber gleichzeitig darauf achten, dass die Praxis finanziell überlebt und alle Regeln eingehalten werden.

    Das Grundproblem ist also: Gute Medizin braucht Zeit, das System bezahlt aber vor allem Menge und nicht den tatsächlichen Aufwand.

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  • Der aktuelle Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit sorgt für große Unruhe im Gesundheitswesen – und bei Dr. Laura Dalhaus sogar für hektische Flecken. Genau deshalb hat Dr. Andrea Morawe sie in ihren Podcast „LandMEDchen“ eingeladen, um die geplanten Veränderungen gemeinsam einzuordnen und kritisch zu beleuchten.

    Schnell wird klar: Vor allem die Hausärzt:innen stehen unter Druck. Die primärärztliche Versorgung droht weiter geschwächt zu werden – obwohl sie nicht zu den größten Kostentreibern im System gehört. Gleichzeitig bleiben zentrale Ausgabenpunkte, wie beispielsweise die Finanzierung der Versorgung von Bürgergeldempfänger:innen, weitgehend unangetastet.

    Einige Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit haben bei Andrea gemischte Reaktionen ausgelöst – von Skepsis bis Zustimmung. Besonders Maßnahmen wie eine Zuckersteuer bewertet sie positiv. Umso unverständlicher ist es für beide, dass solche präventiven Ansätze im aktuellen Entwurf fehlen, obwohl Prävention sogar im Koalitionsvertrag verankert ist. In diesem Zusammenhang sprechen sie auch über die allgegenwärtige Zuckerfalle, insbesondere für Kinder.

    Ein weiterer kritischer Punkt: Die geplante Senkung des Krankengeldes um 5 %. Gerade diejenigen, die ohnehin körperlich belastende Berufe ausüben, geraten dadurch noch schneller in existenzielle Notlagen. Für Laura und Andrea bestätigt sich hier einmal mehr die Realität hinter dem Satz: „Armut macht krank – und Krankheit macht arm.“ Gleichzeitig geraten auch Ärzt:innen selbst zunehmend unter gesundheitlichen Druck.

    Auch wirtschaftlich spitzt sich die Lage zu: Je mehr Patient:innen eine Hausarztpraxis versorgt, desto geringer fällt die Vergütung pro Fall aus. Mit der geplanten Grundlohnsummenregelung sehen viele Therapeut:innen ihre Existenz bedroht. Laura bringt sogar die Idee einer Sammelklage ins Spiel.

    Die Konsequenz könnte sein, dass Praxen künftig stärker gezwungen sind, wirtschaftlich zu entscheiden, welche Patient:innen sie behandeln. Parallel gewinnt die Privatmedizin weiter an Attraktivität.

    Unterschiedliche Perspektiven zeigen sich beim Thema Check-ups: Während Laura deren Nutzen grundsätzlich hinterfragt, verfolgt Andrea einen differenzierteren Ansatz. Einig sind sich beide jedoch in der Kritik an der unzureichenden Vergütung. Auffällig ist außerdem, dass die Pharmaindustrie im aktuellen Entwurf vergleichsweise wenig belastet wird.

    Ein weiterer Diskussionspunkt sind Reha-Berichte und der Umgang der Deutschen Rentenversicherung damit. Auch die Qualität von Arztbriefen und der schleppende Fortschritt in der Digitalisierung werden kritisch beleuchtet.

    Für viele Praxen bleibt als einzige Option eine weitere Effizienzsteigerung, sei es durch zusätzliches Personal oder technische Lösungen. Doch diese Investitionen müssen zunächst selbst getragen werden. Gleichzeitig entwickelt sich die GKV-Leistung zunehmend in Richtung Basisversorgung – wobei sich die Frage stellt, ob sie das nicht längst ist, wenn bereits strikt nach dem WANZ-Prinzip gearbeitet wird.

    Im weiteren Verlauf berichtet Laura von einer Veranstaltung in Borken zum Thema „Wer darf wie alt werden?“. Die zentrale Frage: Wie lange können wir uns Spitzenmedizin in einer älter werdenden Gesellschaft leisten? Und gehört individualisierte Medizin überhaupt noch in ein solidarisch finanziertes System? Für beide ist klar: Das ist eine der großen sozial-ethischen Herausforderungen unserer Zeit – auch wenn viele Politiker:innen diese Debatte scheuen.

    Ergänzend diskutieren sie das sogenannte Verursacherprinzip, das in der privaten Krankenversicherung bereits Anwendung findet, in der gesetzlichen jedoch kontrovers bleibt.

    Auch die Rolle des Bundes wird thematisiert: Statt struktureller Lösungen erfolgt der Beitrag zur Stabilisierung vor allem durch eine Verschiebung finanzieller Verpflichtungen.

    Mit dem sogenannten „David-Experiment“ veranschaulicht Laura schließlich ethische Dilemmata im Gesundheitssystem und zieht Parallelen zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen, insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit.

    Am Ende bleibt eine ernüchternde Erkenntnis: Der Glaube an grundlegende Systemveränderungen schwindet. Andrea zieht für sich eine klare Grenze – sie lehnt eine „3-Minuten-Medizin“ ab und setzt stattdessen auf transparente Kommunikation mit ihren Patient:innen, auch in Bezug auf Zusatzleistungen.

    Gemeinsam stellen sich beide die Frage, ob Programme wie DMP in ihrer jetzigen Form noch sinnvoll sind, da sie primär der Finanzierung innerhalb des Morbi-RSA dienen.

    Fest steht: Die aktuellen Entwicklungen werden nicht nur die Versorgung, sondern auch die Strukturen und Arbeitsplätze in den Praxen nachhaltig beeinflussen.

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  • In ihrer täglichen Arbeit sieht Dr. Andrea Morawe immer wieder, welche Folgen es hat, wenn Gesundheitskompetenz fehlt. Für sie ist klar: Das liegt nicht an einzelnen Menschen, sondern ist ein grundlegendes Problem im System.

    Ein Beispiel aus dem Alltag: Eine Patientin liest im Befund „Vitamin-D-Mangel“. Die entscheidende Frage sollte nicht lauten „Was ist Vitamin D?“, sondern vielmehr: „Hat das für mich eine Bedeutung? Muss ich etwas tun – und wenn ja, was ist medizinisch sinnvoll?“

    Patient:innen bewegen sich als Laien durch ein hochkomplexes System. Nach einem Arztgespräch bleibt oft nur etwa die Hälfte der Informationen im Gedächtnis – ein völlig normales Phänomen. Gleichzeitig ist die Zeit knapp: Ein durchschnittlicher Termin in der Hausarztpraxis dauert rund 10 Minuten. In dieser Zeit sollen Ärzt:innen zuhören, untersuchen, diagnostizieren und eine Therapie einleiten. Dabei wird häufig mit medizinischer Fachsprache gearbeitet, die für viele schwer zugänglich ist.

    Hinzu kommt, dass Patient:innen oft zwischen verschiedenen Akteur:innen vermitteln müssen. Das System selbst setzt klare Schwerpunkte: Diagnostik und Behandlung werden vergütet, Aufklärung, Prävention und langfristige Gesundheitsförderung hingegen deutlich weniger.

    Andrea betont, dass auch Ärzt:innen hier Verantwortung tragen. Es braucht ein Umdenken in der Kommunikation. Methoden wie das Teach-back-Prinzip, bei dem Patient:innen das Gesagte noch einmal in eigenen Worten wiedergeben, können helfen, Verständnis zu sichern. Auch schriftliche Informationen können eine wichtige Unterstützung sein. Gesundheitskompetenz darf kein Zusatzangebot sein, sondern muss ein fester Bestandteil guter medizinischer Versorgung werden.

    Viele Patient:innen suchen zusätzlich im Internet nach Informationen. Das ist grundsätzlich nichts Negatives. Die Schwierigkeit liegt vielmehr darin, verlässliche von irreführenden Inhalten zu unterscheiden. Fehlinterpretationen können schnell zu Verunsicherung oder unnötigen Ängsten führen. Nicht die Informationssuche bei „Dr. Google“ ist das Problem – sondern die fehlende Einordnung.

    Die Frage bleibt: Wer ist eigentlich dafür verantwortlich, Gesundheitskompetenz zu fördern? Ein zentrales Problem ist das Fehlen einer klaren Orientierung im System. Ein stärker etabliertes Primärarztmodell könnte hier als Leitstruktur dienen und Patient:innen besser durch die Versorgung führen.

    Dabei beginnt Gesundheitskompetenz viel früher, nämlich im Kindesalter. Andrea sieht großes Potenzial darin, Gesundheitsthemen bereits in Kitas und Schulen stärker zu verankern. Regelmäßige Bewegung sollte selbstverständlich sein und über die üblichen zwei Sportstunden hinausgehen. Auch außerschulische Angebote könnten einen wichtigen Beitrag leisten.

    Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Ernährung. Diese prägt die Gesundheit bereits vor der Geburt, muss danach aber aktiv begleitet werden. Andrea spricht sich für mehr praxisnahe Angebote aus, bei denen Kinder Gesundheit erleben und verstehen können. Häufig scheitert die Umsetzung jedoch an fehlenden finanziellen Ressourcen.

    Früher wurde viel Gesundheitswissen im familiären Umfeld weitergegeben. In Großfamilien gehörte es zum Alltag, sich gegenseitig zu unterstützen und grundlegende Dinge zu vermitteln – etwa, wie man mit Fieber umgeht. Diese Strukturen sind heute seltener geworden.

    Auch politische Rahmenbedingungen spielen eine Rolle. Andrea kritisiert unter anderem die Ablehnung einer Zuckersteuer sowie den Nutri-Score, den sie als wenig aussagekräftig empfindet. Gleichzeitig verfolgt die Lebensmittelindustrie vor allem wirtschaftliche Interessen – nicht primär gesundheitliche.

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  • Was passiert eigentlich hinter den Kulissen einer Hausarztpraxis? Wie läuft die Abrechnung ab, womit verdienen Ärzt:innen ihr Geld – und wie viel Zeit bleibt wirklich für die einzelnen Patient:innen?

    Diesen Fragen geht Dr. Andrea Morawe in einer neuen Folge von „LandMEDchen“ nach. Ihre Einschätzung ist dabei klar: Das derzeitige System gerät zunehmend ins Wanken. Die Diskussionen darüber sind oft emotional aufgeladen – umso wichtiger ist es ihr, sowohl Ärzt:innen eine Stimme zu geben als auch Patient:innen transparent zu erklären, wie der Praxisalltag tatsächlich funktioniert.

    Ein zentrales Thema dabei sind die steigenden Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung. Um dem entgegenzuwirken, wurde die Finanzkommission Gesundheit ins Leben gerufen. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen unter anderem eine Steuer auf Tabak und Alkohol sowie eine Zuckersteuer. Für Andrea ist das einer der wenigen Ansätze, die sie als sinnvoll bewertet.

    Um das Ganze besser einordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf das GKV-System – denn darüber generieren Ärzt:innen den Großteil ihrer Einnahmen, etwa 80 bis 95 Prozent. Sobald Patient:innen einmal pro Quartal ihre Gesundheitskarte einlesen lassen, entsteht ein sogenannter Abrechnungsschein. Hinter jeder Leistung steht ein Punktwert, der in einen Geldbetrag umgerechnet wird. Gleichzeitig ist jede Leistung mit einer festen Prüfzeit verknüpft.

    Die Kassenärztliche Vereinigung gibt vor, wie viele Stunden Ärzt:innen pro Tag und pro Quartal abrechnen dürfen. Wird diese Zeit überschritten, entsteht schnell der Eindruck, dass Leistungen nicht ordnungsgemäß erbracht wurden. Medizin wird also nicht nur nach Inhalt, sondern auch nach Zeit bewertet.

    Ein Beispiel: Bei chronisch kranken Patient:innen kann eine Chronikerziffer angesetzt werden. Diese erhöht die kalkulierte Behandlungszeit um 18 Minuten und bringt eine zusätzliche Vergütung von 16,56 Euro. In der Realität reicht diese Zeit jedoch oft nicht aus.

    Gerade ältere Patient:innen benötigen häufig deutlich mehr Aufmerksamkeit. Sie kommen mehrfach im Quartal, ihre Krankheitsbilder sind komplexer, und selbst einfache Abläufe wie das An- und Auskleiden können viel Zeit in Anspruch nehmen. Hinzu kommt die Abstimmung mit Angehörigen.

    Umso wichtiger ist ein gut eingespieltes Team. Andrea betont, wie sehr sie davon profitiert, Aufgaben delegieren zu können, um sich auf die medizinischen Entscheidungen zu konzentrieren.

    Viele Menschen gehen davon aus, dass Ärzt:innen jede erbrachte Leistung direkt bezahlt bekommen. Dieses Prinzip gilt im System der privaten Krankenversicherung, im GKV-System jedoch nur eingeschränkt. Die tatsächlich investierte Zeit übersteigt häufig die abrechenbare Zeit – diese Differenz bleibt unvergütet.

    Dabei passt Verantwortung nicht in starre Zeitfenster. Gute Medizin entsteht häufig trotz der bestehenden Rahmenbedingungen – nicht aufgrund dieser.

    Ein weiterer kritischer Punkt ist die Budgetierung. In vielen Fachbereichen sind Leistungen gedeckelt. Werden mehr Patient:innen behandelt, als das Budget vorsieht, erfolgt keine zusätzliche Bezahlung. In der hausärztlichen Versorgung gab es zwar ab Oktober 2025 eine teilweise Entbudgetierung, doch deren Auswirkungen werden sich erst verzögert zeigen, da Abrechnungen zeitlich nachgelagert erfolgen.

    Auch wirtschaftlich spitzt sich die Lage zu. Aktuelle Zahlen des Zentralinstituts zeigen ein Defizit von minus 13,3 Prozent. Gleichzeitig steigen die Kosten weiter – insbesondere für Personal und Mieten. Andrea betont ausdrücklich, dass höhere Gehälter für Mitarbeitende absolut gerechtfertigt sind. Ihr Ziel bleibt es, qualitativ hochwertige Medizin anzubieten und die Versorgung im ländlichen Raum zu sichern.

    Ein zusätzliches Problem zeigt sich im Vergleich zur Klinik: Dort sind die Gehälter oft attraktiver. Das erschwert es, junge Ärzt:innen für die Niederlassung zu gewinnen. Die Frage stellt sich also: Wie kann Selbstständigkeit im ambulanten Bereich attraktiv bleiben?

    Ärzt:innen treten an, um Menschen zu helfen. Oft wird dabei auch auf den ärztlichen Eid verwiesen. Doch dieser ersetzt keine wirtschaftliche Grundlage. Die Herausforderung liegt nicht im fehlenden Engagement – sondern in einem System, das aus dem Gleichgewicht geraten ist.

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  • Spargel, Steak, Bier und nachts Schmerzen im großen Zeh? Das schieben viele auf Gicht!

    Doch wie passen Gicht und Ernährung überhaupt zusammen?

    In den Frühlingsmonaten, in denen Grill- und Spargel-Saison beginnen, sehen wir in den Hausarztpraxen viele Gicht-Anfälle. Den dahinterstehenden Mythen will sich Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“ widmen!

    Gicht ist eine chronische Stoffwechsel-Erkrankung. In unserer Leber findet der Purinstoffwechsel statt und in diesem Rahmen fällt Harnsäure an. Bei einer Hyperurikämie kommt es zu einer Übersättigung von Harnsäure, bei welcher der kritische Punkt von 6,8mg pro Deziliter Harnsäure überstiegen wird. Dann werden die Mononatriumurat-Kristalle schlecht löslich und fallen aus. So kommt es zu Ablagerungen in Gelenken und im Gewebe – dadurch entstehen Schmerzen.

    Diese entstehen meist plötzlich in der Nacht.

    Gicht ist chronisch progredient und unbehandelt kann es zu weiteren Gicht-Anfällen kommen, aber auch zu Nierenschädigungen, chronischer Arthritis und Gicht-Knötchen.

    Meist hängt Gicht auch mit metabolischen Syndromen zusammen.

    Andrea schaut sich die Mythen an:

    Mytos 1: Gicht kommt vom Fleischkonsum

    Fleischkonsum beeinflusst den Purinstoffwechsel, doch der metabolische Status, die renale Ausscheidung und genetische Faktoren haben einen weiteren Einfluss.

    Mythos 2: Spargel ist gefährlich

    Spargel hat weniger Purin als ihm nachgesagt wird und ist somit kein Hauptträger für akute Gicht-Anfälle. Das Problem ist nicht der Spargel, sondern das Schnitzel und das Bier dazu.

    Mythos 3: Nach einem Anfall hat man Gicht

    Ein Anfall bleibt unbehandelt selten allein und kann unbehandelt auch zu Folgeschäden führen.

    Mythos 4: Ernährung reicht als Therapie

    Ernährung ist ein wichtiger Baustein in der Therapie, doch eine medikamentöse Therapie ist die Grundlage.

    Mythos 5: Alkohol ist nicht relevant

    Alkohol reduziert die Harnsäureausscheidungen und enthält je nach Getränk zusätzliche Purine.

    Das Ziel der Therapie ist Treat to target – das heißt es gibt Zielwerte in der Harnsäure, die erzielt werden sollten. Diese sollte frühzeitig beginnen, die Langzeittherapie ist aber auch ein entscheidender Punkt – eine Akuttherapie alleine ist ein großer Fehler. Mehr als zwei Anfälle pro Jahr sind schon ein Grund dafür, eine Langzeittherapie zu starten. Allopurinol und Febuxostat sind die Klassiker.

    Fructose hat einen großen Einfluss auf die Entstehung von Gicht, denn diese wird fast vollständig in der Leber verstoffwechselt. Das Problem: Fructose ist nicht nur in Obst, sondern auch in Honig und in vielen hoch-verarbeiteten Lebensmitteln, z.B. Softdrinks.

    Die Ernährungsempfehlung ist zunächst: Gemüse! Außerdem hilft es, viel Wasser zu trinken, Alkohol, rotes Fleisch, Innereien und Zucker zu reduzieren. Fastenkuren können sogar zum Auslöser von Gicht-Anfällen werden!

    Eine Ernährungstherapie kann in diesem Fall unterstützen.

    Andrea’s Tipps für die Grillsaison sind: Fleischmenge reduzieren, mehr Gemüse auf den Grill, möglichst keine Kombination mit Softdrinks, möglichst kein Alkohol und ein Verdauungsspaziergang!

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  • Letztens saß in der Sprechstunde von Dr. Andrea Morawe eine Patientin, der die Krankenkasse eine Ernährungsberatung empfohlen hat. Doch genau an diesem Punkt beginnt die große Verwirrung im deutschen Gesundheitssystem, zu unterscheiden ist nämlich zwischen Ernährungsberatung und Ernährungstherapie.

    Laut WHO gehören Ernährung und Übergewicht zu den häufigsten Risikofaktoren für chronische Erkrankungen. 74% der Todesfälle hängen mit nicht-übertragbaren Krankheiten zusammen, viele davon stehen in direktem Zusammenhang mit Ernährung, Bewegung, Alkoholkonsum und Rauchen.

    47% der Frauen und 60% der Männer in Deutschland sind übergewichtig – ein Viertel der Deutschen gilt als adipös.

    Doch warum investieren wir auch auf Seiten der Politik so wenig Geld in präventive Maßnahmen? Ernährung ist schließlich kein Randthema, wie die Zahlen zeigen. Trotzdem liegen die Ausgaben für Prävention bei nur 5% der Ausgaben im Gesundheitssystem.

    Andrea erklärt die verschiedenen Player im System:

    Ökotropholog:innen haben ein Studium absolviert und arbeiten dann oft in der Ernährungsberatung, in der Forschung oder in der Entwicklung von Präventionsprogrammen.

    Diätassistent:innen haben eine staatlich anerkannte Ausbildung und sind oft klinisch tätig in Arztpraxen, Rehabilitationseinrichtungen oder Kliniken. Sie beschäftigen sich klassischerweise mit der Erstellung von Ernährungsplänen.

    Ernährungswissenschaftler:innen haben ein Studium absolviert und beschäftigen sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen, z.B. wie Ernährung Krankheiten beeinflusst und Auswirkungen auf den Stoffwechsel hat. Sie arbeiten oft an Universitäten oder in Forschungsprojekten, sowie in der Lebensmittelindustrie.

    Lebensmittelchemiker:innen setzen sich mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln auseinander.  Sie arbeiten in Laboren oder in der Qualitätskontrolle in der Lebensmittelindustrie.

    Lebensmitteltechnolog:innen beschäftigen sich mit Verpackung und Haltbarkeit. Sie sind in der Lebensmittelindustrie tätig.

    Dann gibt es noch Sportwissenschaftler, die sich mit Trainingsphysiologie, Sporternährung oder mit der Erstellung von Trainingsplänen beschäftigen.

    Ärzt:innen beschäftigen sich hauptsächlich mit der Diagnostik. Aber nicht jeder Arzt ist Ernährungsexperte! Denn Ernährungsmedizin ist im Studium deutlich unterrepräsentiert.

    Deswegen können Ärzt:innen die Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin erlangen. Andrea hat diese gerade auch gemacht und erzählt von ihrer Fortbildung. Dabei lernt man über klassische ernährungsmedizinische Krankheitsbilder wie Adipositas, aber auch über die gezielte Ernährung von chronisch Kranken, enterale und parenterale Ernährung,  sowie über Prävention.

    Die Ernährungsberatung gehört zum Feld der Präventionsmedizin. Wenn ein Arzt Risikofaktoren beim Patienten sieht, dann kann er diese verschreiben. Die Krankenkassen übernehmen zum großen Teil die Kosten, die Beratung ist oft in Präventionsprogrammen angesiedelt.

    Ernährungstherapie richtet sich an Patient:innen, bei denen schon eine Diagnose gestellt wurde, wie Adipositas, Zöliakie oder Mangelernährung. Diese wird über eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung initiiert. Diese ist eine Kann-Leistung der Krankenkasse, diese übernehmen somit unterschiedlich viel der Behandlung.

    Wichtig: Diese Notwendigkeitsbescheinigung belastet das Heilmittelbudget der Hausarztpraxis nicht.

    Zum Schluss erklärt Andrea noch den Fall der Patientin, der die Ernährungsberatung empfohlen wurde – eigentlich hätte diese jedoch eine Ernährungstherapie gebraucht! Die Abnehmspritze wird bisher von den Krankenkassen nicht übernommen, da es sich hier um ein Lifestyle-Medikament handelt.

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  • Unipolare Depression ist eine der häufigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzte Erkrankungen in der hausärztlichen Praxis.

    Dr. Andrea Morawe erzählt davon in dieser neuen Folge von „LandMEDchen“ evidenzbasiert.

    Die 12-Monatsprävalenz liegt bei 8-10% und die Lebenszeitprävalenz bei 15-20%. Das heißt: Jede fünfte Person wird in seinem Leben statistisch gesehen an einer Depression erkranken – Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Das Rezidivrisiko liegt nach einer erstmaligen Episode bei 50% und steigert sich auf 70% nach einer zweiten Episode.

    Die Depression tarnt sich meist über somatische Beschwerden: Chronische Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsdefizite und unspezifische Bauchschmerzen.

    Depression ist keine Serotonin-Mangelerkrankung, wie man sie früher betrachtet hat. Chronischer Stress ist ein zentraler Trigger. Eine biologische Vulnerabilität trifft auf eine psychosoziale Belastung.

    Es gibt bei der Diagnose Haupt- und Zusatzkriterien. Aus der Kombination der Kriterien kann der Schweregrad der Depression abgeleitet werden.

    Andrea nutzt sehr gerne den PHQ-9-Fragebogen zur Selbsteinschätzung der Patient:innen.

    Frauen wird häufiger eine Depression zugeschrieben. Männer reden seltener über emotionale Belastungen, Frauen hingegen schon.

    Schlafstörung, Appetitveränderungen, Schuldgefühle, Ängste, tiefe Traurigkeit – das sind Symptome, die bei Frauen öfter auftreten.

    Bei Männern sind die Symptome deutlich different, sie zeigen Reizbarkeit, Aggressivität, Alkohol- und Substanzmissbrauch und eine gewisse Impulsivität. Das klassische Bild der niedergeschlagenen Persönlichkeit sieht man weniger.

    Die Suizidrate bei Männern ist erheblich höher als bei Frauen in Deutschland. Das liegt u.a. daran, dass die unipolare Depression bei Männern häufig nicht erkannt oder fehltinterpretiert werden.

    Risikogruppen für eine Depression sind postportale Frauen, einsame und ältere Personen, Arbeitslose, Patient:innen mit kardiovaskulärer Erkrankung, hoher Leistungsdruck und pflegende Angehörige.

    Es gibt zudem eine bidirektionale Verknüpfung von Depressionen und somatischen Erkrankungen. Andrea macht deswegen immer eine weiterführende Diagnostik, um Differentialdiagnosen in Betracht zu ziehen.

    In Bezug auf die Therapie orientiert sich Andrea an der nationalen Versorgungsleitlinie und unterscheidet dabei zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer depressiven Episode.

    Bei der leichten Diagnose setzt sie auf die Aktivierungsphase: Bewegungstherapie, Gespräche, Schlafhygiene und Me-Time.

    Bei der mittelgradigen Episode setzt sie auf Psychotherapie und Antidepressiva. Viele Kolleg:innen ziehen hier gerne schon Psychiater hinzu.

    Bei einer schweren Episode zieht sie die stationäre Behandlung in Erwägung, hier wird es komplexer.

    Wichtig ist auch die Abfrage der Suizidalität. Die Suizidrate steigt nicht dadurch, dass man die Patient:innen darauf anspricht.

    Die Versorgungssituation sieht nicht gut aus in Deutschland, sie hat sich deutlich verschlechtert nach der Corona-Pandemie. Andrea bindet die Patient:innen zur Überbrückung in der Ergotherapie-Praxis an.

    Hausärzt:innen sind oft die erste Anlaufstelle. Wichtig ist: Dran denken!

    Bevor Andrea genderspezifische Fortbildungen absolviert hat, hätte sie viele Fälle nicht erkannt, vor allem bei Männern.

    Das Thema ist immer noch stark stigmatisiert, deswegen ist es umso wichtiger, dass Ärzt:innen und MFAs besonders hellhörig sind.

    Depression ist häufig, ernst zu nehmen und biologisch erklärbar. Sie ist keine Charakter- oder Willensschwäche.

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  • Wie funktioniert die HPV-Impfung für Mädchen und Jungs? Warum ist die Aufklärung über geschützen Geschlechtsverkehr so wichtig und wie wirkt die HPV-Impfung?

    Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“.

    HPV steht für Humanes Papillomvirus, von dem es 200 bisher identifizierte Subtypen gibt. 40 Typen dieser Virusklasse können Erkrankungen im Anogenital und Oropharyngealbereich hervorrufen. Sie sind nochmal in High-Risk und Low-Risk-Typen gegliedert.

    Die Viren können nicht nur Genitalwarzen, sondern auch Krebsleiden hervorrufen.

    Etwa 80% der sexuell aktiven Menschen durchlaufen mindestens einmal im Leben eine Infektion mit HPV. In den meisten Fällen ist das folgenlos, die High-Risk-Typen können aber dann Krebs hervorrufen. Andrea spricht über die verschiedenen Karzinomarten, die auch im Mund- und Rachenraum auftreten können.

    Es ist sehr wichtig, Jugendliche darüber aufzuklären, sowohl in der Schule und der Familie als auch bei den Hausärzt:innen und Gynäkolog:innen.

    Vorsorgeuntersuchungen helfen dabei, Frühstufen zu erkennen, die Impfung schützt allerdings schon vor der Entstehung.

    HPV ist kein Frauenthema, vor allem unter dem Aspekt, dass wir eine Herdenimmunität erreichen wollen. Prävention und Primärprävention sollte geschlechterunabhängig stattfinden. Dabei schützt die Impfung nicht nur vor den meisten Karzinomarten, sondern in 90% der Fälle auch vor Genitalwarzen.

    Die Impfung sollte bis zum 17. Lebensjahr nachgeholt bzw. komplettiert sein und gehört zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung.

    Viele Eltern bringen entgegen, dass ihre Kinder noch keinen Geschlechtsverkehr haben. Genau das ist der richtige Zeitpunkt, um zu impfen. Vor dem ersten Geschlechtsverkehr ist die Erfolgsquote der Impfung am höchsten.

    Bei Andrea steht übrigens auch ein Kondomglas in der Praxis, um den Jugendlichen etwas mitgeben zu können. Kondome sind allerdings kein 100%iger Schutz, denn die Infektion erfolgt über den Haut zu Haut-Kontakt.

    Sexualität ist bei Jugendlichen viel früher präsent, als es den meisten Eltern lieb ist.

    Mit der Impfung können wir Krebs nicht behandeln, sondern verhindern.

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  • Gerade aus dem Arztzimmer raus und schon wieder vergessen, worum es ging?

    Ein Thema, dem sich Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“ widmet.

    Das dieses Phänomen ist kein Einzelfall, kein Zeichen von mangelndem Interesse oder niedrigem IQ, sondern es gibt Studien, die das unterstreichen. Patient:innen vergessen unmittelbar nach dem Arztgespräch zwischen 40 und 80% der erhaltenen Informationen.

    Von dem, was behalten wird, ist ein erheblicher Anteil auch noch falsch.

    Besonders betroffen sind dabei Informationen über neue Diagnosen, Therapieempfehlungen, Risiken, Nebenwirkungen und komplexe Behandlungspläne.

    Doch warum passiert das?

    Zunächst wegen kognitiver Überlastung. Medizinische Gespräche sind komplex, das menschliche Kurzzeitgedächtnis kann aber nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten.

    Zudem können Emotionen die Erinnerungen blockieren, vor allem Angst, Stress und Unsicherheit. Das Gehirn schaltet in einen Schutzmodus und priorisiert die emotionale Verarbeitung statt der sachlichen Speicherung von Informationen.

    Der dritte Grund ist die Fachsprache, in der Ärzt:innen gerne verharren. Diese ist super für den Austausch untereinander, allerdings nicht für das Gespräch mit den Patient:innen.

    Die Therapietreue leidet enorm darunter, wenn wir zu viele Fachwörter verwenden.

    Ein weiterer komplizierender Faktor ist der Zeitdruck, der ein großes Problem im Gesundheitssystem ist. Kurze Gespräche erhöhen die Informationsdichte, gleichzeitig sinkt die Rückfragequote.

    Viele Patient:innen stellen gar keine Fragen, weil sie nicht stören wollen, nicht unwissend wirken wollen oder weil ihnen der Zeitdruck zusetzt.

    Die Patient:innen sind also nicht schuld, es ist eine ganz normale Reaktion, dass man nicht alles behält. Hierfür benötigt man nun eine Strategie. Es ist völlig okay, nachzufragen.

    An Ärzt:innen empfiehlt Andrea: Wiederholungen und Zusammenfassungen steigern die Erinnerungsquote. Sie selbst nutzt in ihrer Praxis Zettel, in denen die wichtigsten Informationen zu den Diagnosen zusammengefasst sind. Zudem schult sie ihr Personal, sodass diese auch bei der Beantwortung von Fragen unterstützen können.

    Ein weiterer Tipp: Eine Abkürzung im eigenen Kontext muss nicht die gleiche in einer anderen Fachrichtung sein. Diese erschweren also das Verständnis.

    Begleitpersonen erhöhen zudem die Sicherheit. Andrea hat in letzter Zeit öfter gehört, dass Begleitpersonen aus dem Behandlungszimmer geschickt werden, was sie sehr traurig findet. Denn diese erhöhen die Therapietreue. Eine Begleitperson wird oft aus Unsicherheit mitgenommen – dann soll sie auch dabeibleiben. Zudem werden mehr Informationen behalten und es gibt weitere Rückfragen.

    Die Frage ist also: Warum erwarten wir überhaupt, dass Patient:innen sofort alles verstehen und behalten? Wir brauchen Übersetzung der Fachsprache, Zeit und Wiederholungen.

    Das hilft bei der Therapietreue und sorgt so auch für weniger Komplikationen auf lange Sicht.

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  • Ein zentrales Element in der ambulanten Versorgung ist die häusliche Krankenpflege. Hier gibt es allerdings immer wieder Unsicherheiten, deswegen beantwortet Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“ die drängendsten Fragen hierzu.

    Häusliche Krankenpflege ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, die zum Einsatz kommt, wenn medizinische Maßnahmen im häuslichen Umfeld notwendig sind und diese nicht selbst durchgeführt werden können. Ein Ziel ist, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen. Wichtig ist, dass diese Pflege vom Hausarzt verordnet werden muss.

    Hierbei gibt es auch die Behandlungspflege, die eine konkrete medizinische Tätigkeit umfasst, die von Pflegefachpersonen durchgeführt wird. Andrea erklärt, wie das Formular hierfür aussieht.

    Die Leistungen reichen von Verbandswechsel und Wundversorgung über Injektionen wie Heparin oder Insulin bis hin zu Medikamentengabe, Überwachung der Medikamenteneinnahme, Blutdruckkontrollen und Katheterpflege.

    Vor allem temporär ist die Unterstützung sinnvoll, z.B. bei Neuentdeckung der Krankheit.

    Für die Anwendung der Behandlungspflege benötigt man keinen Pflegegrad. Es ist ausschließlich entscheidend, dass medizinische Notwendigkeit gestellt wurde.

    Der Pflegegrad ist dann relevant, wenn es um eine dauerhafte Einschränkung der Alltagstätigkeiten geht, also das selbstständige Waschen, Bewegen und Mahlzeiten Zubereiten.

    Ein Pflegegrad ersetzt keine Behandlungspflege und eine Behandlungspflege ersetzt keinen Pflegegrad. Die Ziele davon sind völlig unterschiedlich. Trotzdem sind beide Pflegearten auf einem Musterformular.

    Bei der Behandlungspflege entstehen Zuzahlen, das sind 10€ je Verordnung. Die Zuzahlung ist gedeckelt und kann nicht unbegrenzt steigen, auch wenn die Behandlung länger dauern sollte. Von dieser Zuzahlung kann man aufgrund des Einkommens befreit werden, Kinder und Jugendliche sind auch befreit.

    Pflegeleistungen bei Pflegegrad sind nicht zuzahlungspflichtig.

    Zum Schluss klärt Andrea noch über die häufigsten Mythen rund um die häusliche Krankenpflege auf. Außerdem erklärt sie, dass die Ausstellung einer häuslichen Krankenpflege auch durch Kliniken im Rahmen des Entlassmanagements möglich sind.

    Das ist besonders wichtig bei einer Entlassung zum Wochenende.

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